Geduldsprobe

Gent | Vlaamse Opera| Händel: Agrippina

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Eigentlich kann sich die römische Geschichte nicht über Mangel an Sadisten, Blutschändern, Usurpatoren und sonstigen Feinden christlicher Moral und neuzeitlicher Herrschertugenden beklagen. Dennoch hatten schon im frühen 18. Jahrhundert bestimmte Namen der antiken Chronique scandaleuse mehr Sensationswert als andere.

Und als im Dezember 1709 im Teatro San Giovanni Grisostomo in Venedig die Oper «Agrippina» mit Musik des 24-jährigen Georg Friedrich Händel herauskam, fand man in der Besetzungsliste die Namen von Nero und Poppea, die schon sechs Jahrzehnte zuvor in einer Oper des alten Claudio Monteverdi mit ihren Macht- und Liebesspielchen unterhalten hatten.

Bei Händel und seinem Librettisten, dem Kardinal und Theaterbesitzer Vincenzo Grimani, steht Nero freilich noch in den Startlöchern seiner Gewaltherrschaft, während Poppea auch hier schon all ihre berechnenden Verführungskünste einsetzt, um nach ganz oben zu kommen. Als Poppea-Pendant von heute würde sich die Expräsidentengattin Carla Bruni aufdrängen, doch setzt die aus Paris stammende, in Berlin ausgebildete Regisseurin Mariame Clément im Genter Haus der Flämischen Oper auf eine weniger justiziable Aktualisierung – wenn man ...

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Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Michael Struck-Schloen

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