Mozart in der Kampfzone

Opernwelt - Logo

Nur 20 Kilometer liegt Severodonetsk von der Front entfernt, im äußersten Osten der Ukraine. Seit 2014 ist das Gebiet teilweise von russischen Separatisten besetzt. Bis heute wird an der nahen «Grenze» geschossen. Ein Jahr nach Ausbruch des Konflikts besuchte Peter Schwarz, rühriger Kopf des Stuttgarter Kulturvereins Vladopera, die unwirtliche Chemiestadt (100 000 Einwohner) zum ersten Mal – und beschloss, im dortigen Theater eine Opernproduktion mit und für Menschen aus der umkämpften Zone zu organisieren. Verständigung durch Musik und Spiel, das war die Idee.

«Don Giovanni» auf die Bühne bringen, das war das konkrete Ziel. Drei Jahre arbeiteten Schwarz und lokale wie internationale Unterstützer an der Realisierung. Ende August war Premiere. Mit jungen Solisten aus Lettland, Deutschland und der Ukraine. Mit einem ukrainisch-deutschen Produktionsteam. Und mit einem Orchester, in dem u. a. Musiker aus der geteilten Region Luhansk, aus Weißrussland, Armenien und Polen zusammenspielten. Ein Zeichen. Ein Versuch, Gespräche anzustoßen, wo sonst Waffen sprechen. Auch wenn Mozarts Wüstling am Ende zur Hölle fährt, in Severodonetsk hat er eine Mission erfüllt. Im Publikum saßen auch Gäste ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2018
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Weltbühne Bergdorf

Es bleibt spannend im Oldenburger Alpen-«Ring». Auch im dritten Teil von Wagners Tetralogie bewiesen Regisseur Paul Esterhazy und sein für die technisch hochprofessionell entworfene Drehbühne mit ihren zahlreichen ineinander verschachtelten Räumen zuständiger Bühnen- und Kostümbildner Mathis Neidhardt, dass ihnen die Ideen nicht ausgehen. Und wieder war man...

Endstation Sehnsucht

Coraggio! So würde man wohl südlich der Alpen konzis ausrufen angesichts eines radikalen Saisonstarts, wie ihn die Oper Frankfurt, frisch akklamiertes «Opernhaus des Jahres», hingelegt hat. Zwei Premieren binnen Wochenfrist, mit zwei zeitgenössischen Stücken, die meilenweit abseits der kanonischen Sicherheitszone liegen, in zwei eigenwillig-entschiedenen...

Der Mythos lebt

Der 11. Mai 1946 ist in den Annalen der Mailänder Scala ein in dreifacher Hinsicht bemerkenswertes historisches Datum: Das im Krieg schwer zerstörte Theater wurde nach dem Wiederaufbau neu eröffnet, Arturo Toscanini, Italiens größter Dirigent und eine Symbolfigur des Antifaschismus, kehrte nach langer Abwesenheit an die Stätte seines früheren Wirkens zurück, und...