Mozart: Don Giovanni
Der Zuschauerraum des Innsbrucker Landestheaters spielt in diesem «Don Giovanni» immer mit, nicht nur wenn in der hier favorisierten Wiener Fassung Zerlina den Schwindler Leporello frech herausfordert und hinter dem Dirigenten an einen Stuhl fesselt. Von Anbeginn ist klar: Hier wird Theater gespielt. So schleichen sich die Figuren noch vor ihrem eigentlichen Auftritt in Zeitlupe auf die Bühne oder treten so ab – etwa der Komtur nach seiner Ermordung.
Wie oft bei Peer Boysen, der auch hier sein eigener Ausstatter ist (in Innsbruck inszenierte er schon «Titus» und «Figaro», im November folgt «Così fan tutte»), gibt es wenig Farbe, beherrschen opulente, passgenaue Kostüme, deren Material zwischen Papier, Seide und dünnem Leder changiert, sowie schimmernde, feingelockte, üppige Perücken die Szene. Anfangs sind alle schwarz gekleidet – bis auf den Komtur. Am Ende haben sie dessen kaltes Weiß angenommen.
Das alles harmoniert ausgezeichnet mit der zwischen Stilisierung und modernem Realismus wechselnden Regie, die seismografisch auf die Kontrastbildungen in der musikalischen Deutung reagiert – oder umgekehrt. Wann je knistert die Spannung zwischen Masetto und Zerlina derart, dass beide ...
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