Mozart: Die Entführung aus dem Serail

Amsterdam, Mozart: Die Entführung aus dem Serail

Opernwelt - Logo

Mit dem Serail als Fluchtort erotischer Fantasien hat Johan Simons nicht viel im Sinn: Von der ganzen Türkenpracht ist in seiner Inszenierung von Mozarts «Entführung» nur eine schäbige Kulisse geblieben – und selbst die kracht am Ende noch zusammen. In einem heruntergekommenen Boulevardtheater lässt der niederländische Schauspielregisseur und künftige Leiter der Münchner Kammerspiele die entführten Bräute Konstanze und Blondchen landen.

Ein Ort, an dem keine Liebesdienste, sondern das Mitspielen in einem läppischen Stück verlangt werden, das auch den intelligenteren Bühnenmuselmanen wie dem Bassa Selim schon längst zum Hals heraushängt. Kein Wunder, dass Konstanze damit liebäugelt, auszusteigen und lieber mit dem Langeweiler Belmonte anzubandeln. Besonders weit führt diese Grund­idee von Simons zweiter Opern­arbeit leider nicht: erstens, weil auch ohne provokative Kunstpausen und über­drehte Deklamation jeder weiß, dass die Textvorlage der «Entführung» nicht gerade ein Text von Schiller-Format ist, und zweitens, weil das Stück ja ohnehin nicht wegen dieser Verse, sondern wegen der Musik gespielt wird.
Und die wird an der Amsterdamer Oper fatal verkleinert: Der frustrierten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2008
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 50
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Bühnenmagier im Bildschirmformat

Lange waren Walter Felsensteins Opernfilme Sammler- und Liebhaberobjekte bei eBay, auf Tauschbörsen und in Internetforen. Den 1954/56 gemeinsam mit Hanns Eisler bearbeiteten und in den Wiener Rosenhügel-Studios gedrehten «Fidelio» bekam man über die Bavaria-Tochter EuroVideo, den «Othello» (1969) über das New Yorker Label VIEW Video, den «Figaro» (1976) als teure...

Tänzerischer Charme

Was macht man mit dem Titelhelden? Besetzt man die gro­ße Kastratenpartie in Händels 1724 uraufgeführter Oper «Giulio Cesare in Egitto» mit einer Altistin oder ­einem Kontratenor? Oder vielleicht sogar mit einem ­Bariton, wie es vor dem Siegeszug der historischen Aufführungspraxis üblich war? Das Badische Staatstheater Karlsruhe entschied sich bei dem opulenten...

Marktforschung

Die prekäre Finanzlage seines Londoner Opernunternehmens setzte bei Händel ab Mitte der 1720er Jahre einen Extraschub an kreativer Energie frei. Jede seiner Opern aus dieser Zeit ist zugleich ein Stück praktische Marktforschung nach dem Trial-and-Error-Prinzip: Nachdem er noch im Ende 1727 uraufgeführten «Riccardo Primo» (siehe OW 3/2008) versucht hatte, das...