Tänzerischer Charme
Was macht man mit dem Titelhelden? Besetzt man die große Kastratenpartie in Händels 1724 uraufgeführter Oper «Giulio Cesare in Egitto» mit einer Altistin oder einem Kontratenor? Oder vielleicht sogar mit einem Bariton, wie es vor dem Siegeszug der historischen Aufführungspraxis üblich war? Das Badische Staatstheater Karlsruhe entschied sich bei dem opulenten Historiendrama, das die 31. Händel-Festspiele eröffnete, für Franco Fagioli – und machte damit alles richtig.
Wenn der argentinische Countertenor mit seinem betörenden Timbre vom kernigen Brustbereich in schwindelerregende Höhen steigt, dann verleiht er dem römischen Imperator männliche Durchschlagskraft und zugleich weibliche Geschmeidigkeit.
Dass dieser Abend musikalisch etwas ganz Besonderes werden würde, ahnte man bereits in der von der Badischen Staatskapelle federnd musizierten Fuge der Ouvertüre. Michael Hofstetter gleicht am Dirigentenpult einem Tänzer, der die verschiedenen Affekte und Klanggesten auf spielerisch-theatralische Art miteinander verbindet. Auch wenn das Continuocello an diesem Abend manches Mal deutlich neben der Spur liegt und die instrumentale Mischung von Alt und Neu besonders bei den Holzbläsern ...
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Ewige Frage: Kann man, muss man, soll man den «Parsifal» inszenieren? So recht glücklich werden oft weder Kritiker noch – wenn sie im Vertrauen sprechen – Regisseure mit dem sperrigen Inhalt, den katholischen Zutaten und den vielen weit über die christliche Sphäre hinausweisenden Bezügen. Die Lösungsvorschläge fallen entsprechend bunt aus: Was etwa Christoph...
Das erste abendfüllende Meisterwerk im komischen Genre schrieb Gioacchino Rossini mit zwanzig Jahren: «La pietra del paragone» (Mailand, 1812). Lange in der Versenkung verschwunden, wurde es Mitte der 1960er Jahre von Günther Rennert neu entdeckt und bearbeitet und erlebte unter dem Titel «Die Liebesprobe» erfolgreiche Aufführungen in München und Hamburg. Doch erst...
Paul Dukas’ «Ariane et Barbe-Bleue» ist einer der großen Opern-Solitäre des beginnenden 20. Jahrhunderts – ein musikalisches Meisterwerk, das gleichberechtigt neben Debussys «Pelléas et Mélisande» und Strauss’ «Salome» steht. Wesentlichen Anteil an der Faszination, die das Werk ausstrahlt, hat der rätselhafte Text des belgischen Symbolisten Maurice Maeterlinck,...
