Motorik und Rhetorik

Gerhard Persché über Nikolaus Harnoncourts fulminanten «Orlando ­Paladino» am Theater an der Wien und den Kinder-«Ring» an der Staatsoper

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Alle, die auszogen, das Fürchten zu lernen, begegneten dem Tod drau­ßen auf der Balustrade. Erschreckend grimmig schien er, die Sense drohend in der Hand. Auch an jenem heißen Sommertag, zumindest bis zum Moment, da jemand aus dem benachbarten Gastgarten rief: «Herr Wondraschek, Ihr Bier wird warm!». Worauf die Geisterbahnfahrt im Wiener Prater zumindest für einige Zeit um einen Kitzel ärmer war.


Nicht grundlos überfielen mich Kind­heitserinnerungen solcher Art kürzlich bei Haydns «Orlando Paladino» im Theater an der Wien: Keith Warner ließ sich zu seiner Inszenierung dieses köst­lichen Werks vom Wurstelprater inspirieren, dem traditionsreichen Wiener Großvater des Disneyland (wobei «Wurs­tel» nichts mit irgendwelchen Speisen zu tun hat, sondern die Wiener Bezeichnung für die Kasperlefigur ist, eine der früheren Hauptattraktionen). Und zwar mit der spielerischen Absicht, genau jene Desillusionierung zu erreichen, welche die eingangs geschilderte Bemerkung über das warme Bier beim jugendlichen Geisterbahnfahrer bewirkt hatte. Denn Haydns komische Zauberoper «authentisch» zu verkaufen, als eine Art musealen Bilderbuchs, wollte er wohl nicht riskieren.
1782, als der russische Großfürst ...

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Opernwelt Januar 2008
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Gerhard Persché

Vergriffen
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