Gluck: Orpheus und Eurydike
Alles Theater? Wenn der Chor am Ende vom Triumph Amors singt, tut er das gleichsam in eigener Regie. Die beiden Liebenden sind zu diesem Zeitpunkt von der Bühne ihres vorgestellten Lebens bereits abgetreten. Sie schauen sich das «lieto fine» der theatralischen Handlung (in der leicht gekürzten Wiener Fassung von 1762) aus der Publikumsperspektive an. Das ist der konsequente Schluss einer Aufführung, die vor dem Eisernen Vorhang beginnt und einen ganz und gar heutigen Orpheus zeigt, der laut klopfend erst mal Einlass in die eigene Geschichte begehrt.
Zsuzsanna Kakuk, neu im Ensemble des Mittelsächsischen Theaters, hat damit nicht die geringsten Schwierigkeiten. Das Verfahren ist Teil einer Prüfung, die an Mozarts «Zauberflöte» erinnert – und das unter «Stabführung» einer allegorischen Figur, die man aufgrund ihrer Schwingen leicht für einen Engel halten könnte. Jan Heinke lässt nicht nur sein stählernes Rohr klingen. In einem Zwischenspiel bezaubert er mit geheimnisvollem Obertongesang.
«Orpheus und Eurydike» einmal anders. Annette Jahns, am selben Ort mit «Carmina Burana» sehr erfolgreich, schafft mit starken Bildern Spannung. Selbst wenn die Wolkenprojektion nicht unbedingt von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ein unerwarteter Auszeichnungsregen: Nachdem die «Deutsche Bühne» das Gießener Stadttheater zum zweiten Mal der Führungsgruppe in der Kategorie «ungewöhnlich überzeugende Theaterarbeit abseits großer Zentren» zuschlug, konnte die Musiktheater-Sparte des Hauses rechtzeitig zum 100-Jahre-Jubiläum auch in der aktuellen Kritikerumfrage der «Opernwelt» punkten. Lukas...
Von Londons Bussen sagt man, sie kämen gern «threefold»: eine Zeit lang nichts, dann drei auf einmal. Ähnlich scheint es im Augenblick mit Massenets «Manon». Im Normalfall eher in den Nischen des Repertoires anzutreffen, machten in den letzten Monaten gleich drei verschiedene Produktionen Furore: die Andrej Serbans, die Gaunerwelt des Film Noir zitierend, an der...
Durch die Stücke, die Jossi Wieler und Sergio Morabito für die Stuttgarter Staatsoper erarbeitet haben, zieht sich Religion wie ein roter Faden: die Dialektik von Glauben und Glauben lassen, Glaube und Begehren, Glaube und Vernunft, Glaube und Fanatismus, Glaube als privater und öffentlicher Passion. Glucks «Alceste» gehört in diese Reihe und Bellinis «Norma»,...
