Modisch, verdinglicht, entzaubert
Ein großer Tag für Bühnenbildner Christian Schmidt. So raffiniert waren die beiden Drehbühnen mit der seit dem Theaterbrand modernisierten Technik noch nie gehandhabt worden. Das innere und das äußere Segment waren dermaßen minuziös ineinander verzahnt, dass, mit dem Eindruck gegenläufiger Bewegungen, filmisch fließende Bilder entstanden. Inszenierte «Kamerablicke» also auf viel klinisches Weiß, wenig Realismus und – im suggerierten Interieur-Charakter – noch weniger Natur.
Zwar das angedeutete Innere einer durch bäuerlichen Zwist derangierten Häuslichkeit, aber komplementär dessen zwillingshaftes Abbild als strahlender Imaginationsraum. Dazwischen ein enges, hohes (und geradezu provokativ unschweizerisches) Treppenhaus; ausgerechnet in diesem vollzog sich der Hochzeitszug der Traumszene, das geniale Herzstück der Oper, dem hier die in der Musik so unverkennbare Dimension des Trauermarsches fast fehlte. Die atemberaubende Kunstfertigkeit der Bilder traf sich kaum mit der besonderen Aura des Stücks, dessen «pantheistische» Grundstimmung der zuständige Dramaturg Norbert Abels in einem Programmheftessay so eindringlich beschwört.
Auf anders «philosophische» Weise erzählte die ...
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Opernwelt August 2014
Rubrik: Panorama, Seite 32
von Hans-Klaus Jungheinrich
Das Strauss-Jahr 2014 beschert der «Frau ohne Schatten» einen regelrechten Boom. Auch kleinere Häuser trauen sich an das komplexe Werk, das eine fähige Besetzung und ein gut disponiertes großes Orchester braucht.
In Saarbrücken dokumentiert der scheidende GMD Toshiyuki Kamioka eindrücklich, warum er sich als Abschiedsproduktion gerade diese Märchenoper gewünscht...
Im ungedruckten, aber in vielen Köpfen verankerten Regie-Warnbuch gilt so etwas als schwere Sünde: Zwischentitel und Verdoppelungen à la «Maledetto» oder Amelia «mit fünf», «mit zwanzig», «mit fünfundzwanzig», alles auch noch als Kreidezeichnung illustriert. Und wenn die Partitur sachte Streicherdünung fordert, kräuseln sich hinten die Wellen als nette...
Vorerst läuft die Killerpartie für sie noch unter «Experiment». Zweimal zum Debüt, wie gerade absolviert, bei den Münchner Opernfestspielen, im Herbst folgt eine Serie an der Met. Immerhin ist das öfter als bei der Callas, die sich Verdis Lady Macbeth kein halbes Dutzend Mal live zugetraut hat. Und so überraschend ist das Wagnis bei Anna Netrebko nicht. Die Stimme...
