Fetzig, filigran, ohne Zicken
Das Strauss-Jahr 2014 beschert der «Frau ohne Schatten» einen regelrechten Boom. Auch kleinere Häuser trauen sich an das komplexe Werk, das eine fähige Besetzung und ein gut disponiertes großes Orchester braucht.
In Saarbrücken dokumentiert der scheidende GMD Toshiyuki Kamioka eindrücklich, warum er sich als Abschiedsproduktion gerade diese Märchenoper gewünscht hat. Der Japaner ist ein Meister blühender Orchesterfarben, mit denen er die Welten der Geister und Menschen beschreibt.
Mit Wucht entfesselt er die Elemente, um dann, wenn er die Geschichten der Figuren erzählt, auf Sensibilität und Finesse umzuschalten.
Das Saarländische Staatsorchester fächert ein breites Ausdrucksspektrum auf, von fetzig bis filigran, es deckt die Stimmen nicht zu, überwältigt dennoch passagenweise auch mit schierer Kraft. Die Instrumentalsoli (Violine und Cello!) berühren, die Tempi sind geschmeidig. Und Saarbrücken spielt die komplette Oper ohne Striche. Die Plastizität und Erzählkraft der Musik kommt umso stärker zur Geltung, als die szenische Deutung Tiefenschärfe vermissen lässt. Der Regisseur und Bühnenbildner Dominik Neuner hat ein graues Einheitsambiente geschaffen, mit einem angedeuteten ...
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Opernwelt August 2014
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Dieter Lintz
Einen «Bad Boy of Music» nannte sich George Antheil in seinen 1945 erschienenen Memoiren, und in der Tat mischte er in den 1920er-Jahren als Skandalkomponist die Avantgarde diesseits und jenseits des Atlantiks ganz schön auf. Nach seiner Übersiedlung in die USA verblasste allerdings sein diesbezüglicher Ruhm: Antheil verdiente seinen Lebensunterhalt vornehmlich als...
Um ein Haar wäre der Traum geplatzt. Schon lange wollte Hartmut Haenchen sein Strauss-Portfolio um die 1938 in seiner Geburtsstadt Dresden uraufgeführte «Daphne» bereichern. Frédéric Chambert, Intendant des Théâtre du Capitole in Toulouse, hat ihm den Wunsch erfüllt. Eine mutige Entscheidung, zählt doch das Spätwerk des bajuwarischen Maskenkünstlers, zumal in der...
Am Wuppertaler Opernhaus ist mit der letzten Premiere der Saison eine Tradition zu Grabe getragen worden. Denn die Neuinszenierung von Karol Szymanowskis «Król Roger» ist definitiv die letzte Produktion mit einem festen Ensemble. Sie unterstreicht mit Nachdruck noch einmal, was Wuppertal und die Opernlandschaft in Nordrhein-Westfalen verlieren: eine gewachsene...
