Mitleid muss man haben

Lidholm: Ein Traumspiel Weimar / Deutsches Nationaltheater

Opernwelt - Logo

Der Mensch ist zum Unglücklichsein verdammt in seinem Streben nach Glück. Er sucht nach Wahrheit und findet: nichts. Er sehnt sich nach ­Erfüllung und landet im: Nichts. Finster ist die Handlung von Ingvar Lidholms Oper «Ein Traumspiel», noch finsterer als seine literarische Vorlage, August Strindbergs gleichnamiges Drama.

Doch er hat eine Botschaft, dieser Premierenabend im Deutschen Nationaltheater Weimar. Die wird klar ausgesprochen (manchmal fast zu klar): Mitleid muss man dem Menschen entgegenbringen.

Das zumindest ist das Fazit, das Agnes, die Tochter des Gottes Indra, aus ihrem Versuch zieht, das menschliche Elend in einem Selbstversuch als irdisches Wesen zu ergründen.

In eine gleichermaßen merkwürdige und bemerkenswerte Form goss Lidholm das Konversationsdrama – die episodenhafte Handlung wirkt über weite Strecken verworren, die musikalische Ideenwelt weitgehend im Avantgardedenken der 70er-Jahre verwurzelt. Das weckt manche Penderecki-Assoziation, hat aber doch etwas Eigenes: ­einen schlichten, fast volkstümlichen Zug.

Nun brechen in Weimar Regisseur und Bühnenbildner Christian Sedelmayer und Kostümbildnerin Caroline von Voss die düstere Aussage mit einer comic-haften ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2013
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Tatjana Böhme-Mehner

Weitere Beiträge
Überall und nirgendwo

Natürlich drehte sich wieder alles um ihn. Um den Tenorissimo a. D., der auf seine alten Tage mit ­aller Macht ins Bariton-Fach drängt. Schon zu Beginn der Neunzigerjahre hatte Plácido Domingo zum ersten Mal tieferes Terrain erkundet – im Tonstudio, als Rossinis Figaro für die DG-Aufnahme des «Barbiere». Im November 2007 folgte an der Met Glucks Orest, zwei Jahre...

Ein Liebender

Natürlich war Sir Colin Davis der Inbegriff eines gut aussehenden, kauzigen, gelassenen, dennoch willensstarken Gentleman. Weil er das wusste, winkte er ab: «Ich bin kein Gentleman. Ein Gentleman arbeitet nicht.» Gearbeitet hat er viel, allerdings führte das weder zu Schreien oder Schweißausbrüchen noch zu Zynismus am Pult. All das hatte er nicht nötig, denn er...

Der Witz zündet

Ein junger Mann und eine junge Frau treffen sich auf einer Party und verlieben sich. Die Eltern sind nicht begeistert – sie stammen aus wohlhabendem, bürgerlich-konservativem Milieu und haben für ihre Kinder andere Partner vorgesehen, aus ihren Kreisen selbstverständlich. Doch die Kinder sind widerspenstig, und zwingen will man sie auch nicht – die Zeiten sind...