Mit Lady Di in den Hades
Euripides’ und Glucks «Alceste» gegen den Strich gebürstet: Nicht die bekannte Geschichte einer den Tod überwindenden Liebe kommt auf die Bühne des Teatro Real; vielmehr erzählt der polnische Regisseur Krzysztof Warlikowski von der Flucht aus einer schwierigen Ehe in den Tod. Seine Alceste lebt die letzten Jahre der Lady Diana, Princess of Wales, nach. So wird denn, bevor Ivor Bolton, der künftige Madrider Musikdirektor, den Taktstock zur Ouvertüre hebt, auf einer riesigen Leinwand ein nachgestelltes Fernsehinterview mit ihr eingespielt.
Darin legt sie dar, warum sie keinen anderen Ausweg als die Scheidung von ihrem Gemahl sieht. Aber da spricht nicht Lady Di, sondern die deutsche Sopranistin Angela Denoke.
Als Alceste besucht sie ein Krankenhaus, nimmt an einem Bankett teil; die Szenerie ist von Malgorzata Szczesniak, der langjährigen Weggefährtin des Regisseurs, in kühlem Weiß, Grau, Silber, mit klaren Linien eingerichtet. Dem kranken König Admète (Paul Groves) wird eröffnet, dass er bald sterben müsse – es sei denn, ein anderer Mensch gehe für ihn in den Tod. Er fragt seine Eltern, diese wenden sich ab. Alceste aber erklärt, sie liebe ihn so sehr, dass sie auch für ihn zu ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Thomas Urban
Noli me tangere – rührt mich nicht an, scheint der schlanke Mann an der Bühnenrampe uns anzuflehen. Wohin mit den Händen, den Füßen, dem Blick? Hilflos, verspannt steht er da, als der Applaus aufbrandet, für ihn. Blinzelt scheu ins Gegenlicht, lugt verstohlen in den Graben, will unterschlüpfen bei den Choristen. Mark Andre wäre in diesem Moment wohl am liebsten im...
Mitte der achtziger Jahre. Carl Dahlhaus, der Berliner Ordinarius für Musikwissenschaft, war schon sehr krank, und seine Vorlesungen mussten immer wieder ausfallen. Da sprang ein nicht mehr ganz junger, aber dynamisch wirkender Mann ein, von dem wir Studenten wussten, dass er eigentlich Dirigent war, aus der DDR kam und seit Kurzem in Wuppertal als GMD wirkte....
Herr Soltesz, Sie waren 16 Jahre Intendant und Generalmusikdirektor in Essen. Für heutige Verhältnisse eine Ewigkeit?
Die Zeiten sind kurzatmiger geworden. Wolfgang Sawallisch war 22 Jahre an der Bayerischen Staatsoper in München, das entspricht nach heutigem Empfinden der Zeit, die ich in Essen geblieben bin. Als ich den Vertrag unterschrieb, rechnete ich mit einer...
