Misstöne in Arkadien
So schlimm, wie das Gemälde auf dem Cover nahe legt, kommt es in Domenico Cimarosas im Revolutionsjahr 1789 für den Petersburger Hof komponierter «Cleopatra» nicht. Die Königin hat hier noch keine Veranlassung, sich die Natter an die Brust zu legen, denn vorläufig geht ja alles nach ihren Wünschen.
Ferdinando Morettis Libretto hat mit Shakespeares Tragödie nicht viel im Sinn – da wird zwei Akte lang geseufzt, gestritten und geturtelt, ohne dass die Handlung dabei vorwärtskommt.
Antonius, der sich gegen die anrückenden Truppen seines Konkurrenten Octavianus wappnen muss, ist in Liebesbanden gefangen und kann vor der Alternative «Braut oder Weltreich» zu keiner eindeutigen Entscheidung gelangen. Cleopatra, von allen als zweite Venus bewundert, sieht die Sache einfacher: Entweder er bleibt bei ihr oder sie bringt sich um. Am Ende schafft die Liebe einen Kompromiss: Sie ziehen gemeinsam in die Schlacht wie in eine Sommerfrische. Als ihr Schiff ausläuft, besingt der Chor den heiteren Himmel und das ruhige Meer, das von Zephiren sacht bewegt wird.
Eine Oper kann man dieses höfische Divertimento nicht nennen, das die irreführende Gattungsbezeichnung «Azione teatrale» trägt. Dass beide ...
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Wer hätte das gedacht? Da thematisiert ein Regisseur dezent, aber unübersehbar das Dritte Reich in einer Oper, die vorderhand nichts damit zu tun hat, und es macht, unabhängig von der realen Verstrickung des Komponisten Richard Strauss mit der Nazi-Diktatur, tatsächlich Sinn. Und wer hätte gedacht, dass der heldisch-euphorische Schluss von «Ariadne auf Naxos» auch...
Schon etliche Jahre vor der vom Stalin-Regime verfemten «Katarina Ismailowa» tobte sich Schostakowitsch in «Die Nase» kompositorisch heftig aus. Die absurde, lange vor Kafka von Nikolaj Gogol erdachte Situation eines Nasen(=Identitäts)verlustes kam dem vibrierenden Naturell des Komponisten entgegen, die hysterisch hochschäumenden Vorgänge der Novelle entfesselten...
Natürlich bedarf es nicht eines runden Geburtstags, um Aribert Reimanns grandiosen «Lear» aufs Programm zu setzen – doch die Idee der Lindenoper, den Berliner Komponisten zum Siebzigsten mit einer Neuinszenierung seines Meisterwerks zu ehren, wäre eine schöne Geste gewesen. Dann allerdings steckte Intendant Peter Mussbach das bereits angekündigte Geschenk doch...
