Lehár: Die lustige Witwe

Berlin

Opernwelt - Logo

Natürlich bedarf es nicht eines runden Geburtstags, um Aribert Reimanns grandiosen «Lear» aufs Programm zu setzen – doch die Idee der Lindenoper, den Berliner Komponisten zum Siebzigs­ten mit einer Neuinszenierung seines Meisterwerks zu ehren, wäre eine schöne Geste gewesen. Dann allerdings steckte Intendant Peter Mussbach das bereits ange­kündigte Geschenk doch wieder weg und tauschte mit Blick auf das Einnahmesoll die Shakespeare-Vertonung gegen die «Lustige Witwe» aus.

Dem regieführenden Hausherrn gelang allerdings das Kunststück, auch Lehárs größten Hit zum Kassengift zu machen: Nach einer Premiere, die wegen fortgesetzten Wutgeheuls aus dem Saal mehrfach kurz vor dem Abbruch stand, blieb der einkalkulierte Ansturm auf die Tickets natürlich aus.
Operette, postuliert Mussbach, ist ein Taumel ohne Sinn und Verstand – und Pontevedro sowieso Absurdistan. Was von den Dialogen übrig ist, wird mit schwerer Zunge gelallt, eine nachvollziehbare Handlung findet nicht statt. Mussbach versucht nicht einmal, den Figuren Profil zu verleihen. Ersatzweise zappeln ununterbrochen Statisten über die Bühne, müssen die Choristen erst als Froschmänner, dann als Pinguine aufmarschieren.
Erich Wonder ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2006
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 52
von Frederik Hanssen

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zwischenwelten

«Was war der entscheidende Moment in deinem Leben?» Diese Frage stellte der japanische Regisseur Hirokazu Kore-Eda in den Mittelpunkt seines surrealistischen Films «After Life» (1998). Nach dem Tod müssen alle Menschen Beamten Auskunft über die Schlüssel­erlebnisse ihres Lebens geben. Diese Episoden werden sodann rekonstruiert und szenisch gestaltet.
Kore-Edas Film...

Musik der Zukunft

Es sollte der große Schlusspunkt der Intendanz Klaus Zeheleins werden. Aber wie im Falle der dem Streik im öffentlichen Dienst zum Opfer gefallenen szenischen Uraufführung von Gérard Pessons «Pastorale» (siehe OW 7/2006) lief auch die Premiere von Joseph Martin Kraus’ nachgelassener Oper «Aeneas in Karthago» szenisch auf Grund. Peter Kon­witschny ließ die Arbeit in...

Bemühungen um Richard Strauss

Semyon Bychkov hat zu «Elektra», die er 1992 erstmals in Paris dirigierte, eine besondere Beziehung, und es war ihm ein Anliegen, sie unter Bedingungen zu erarbeiten und festzuhalten, die im herkömmlichen Opernbetrieb nicht gegeben sind. Beim WDR bekam er die erwünschte Gelegenheit. Ein halbes Jahr vor den ersten konzertanten Aufführungen konnte er mit den...