Bemühungen um Richard Strauss
Semyon Bychkov hat zu «Elektra», die er 1992 erstmals in Paris dirigierte, eine besondere Beziehung, und es war ihm ein Anliegen, sie unter Bedingungen zu erarbeiten und festzuhalten, die im herkömmlichen Opernbetrieb nicht gegeben sind. Beim WDR bekam er die erwünschte Gelegenheit. Ein halbes Jahr vor den ersten konzertanten Aufführungen konnte er mit den Orchesterproben beginnen, erst sechs Jahre später kam es dann zur Aufnahme, die jetzt in der Profil-Reihe von Hänssler auf CD veröffentlicht wurde.
Wir haben es also mit einer gründlich vorbereiteten und in Ruhe ausgereiften Produktion zu tun. Man hört das vor allem an der orchestralen Detailarbeit. Bychkov nutzt die aufnahmetechnischen Möglichkeiten, um mit der Forderung des Komponisten, das Stück müsse wie Mendelssohn-Elfenmusik klingen, Ernst zu machen. Dennoch ist das Resultat zwiespältig: Wir hören ein fein ausgepinseltes Klanggemälde, aber spüren wenig vom Puls des Dramas, das archaische Wucht mit moderner Psychoanalyse verbindet.
Sicher liegt dieses Defizit auch an der Unfähigkeit der meisten Sänger, die ihnen vom Dirigenten gelassenen Freiräume für stimmdarstellerischen Ausdruck zu nutzen. Ein Vergleich mit der ...
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