Mattes Déjà-vu
An Mozart kommt man in diesem Jubeljahr selbst in Bayreuth nicht vorbei: Auch während der neuen «Ring-Produktion erreichen uns die Töne des zärtlichen Revolutionärs. Noch haben wir ganz andere Klänge vom Schluss des «Rheingold» im Ohr, den pompös-zeremoniellen Götterzug nach Walhall, den verzweifelten Sirenengesang der Rheintöchter, da hören wir auf dem Weg vom Grünen Hügel aus einem offenen Fenster «Non più andrai, farfallone amoroso».
Wir erinnern uns, dass am selben Tag ja auch Salzburgs hochgehypter «Figaro» ansteht, eilen vor eine Mattscheibe – und erleben ein seltsames Déjà-vu: Treppenhaus, Video-Projektionen, Doppelgänger, all das erinnert in gewissem Sinne an den «Fliegenden Holländer», mit dem am Abend zuvor die Bayreuther Festspiele eröffnet wurden. Kein Zufall: Der Regisseur heißt in beiden Fällen Klaus Guth, der Bühnenbildner Christian Schmidt.
Was beim «Figaro» noch frisch und kreativ wirkt, scheint bei Guths vier Jahre alter Interpretation des «Fliegenden Holländer» am Grünen Hügel bereits etwas abgestanden. Sentas autistisches Eintauchen in die Märchenwelt, die Projektion der Liebe zum Helden auf den Vater, die angedeutete inzestuöse Beziehung, das Unheimliche ...
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Opernwelt September/Oktober 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Gerhard Persché, Thomas Rothkegel
«Matilde di Shabran» (1821) gehört zu den unbekannteren Rossini-Opern, die jedes Publikum in Wonnetaumel versetzen, wenn man sie besetzen kann. Da ist keine Nummer, die nicht zündet. Die Fantasie, mit der Rossini seine bekannten Schemata immer wieder neu ausleuchtet und zum «Sprechen» bringt, beschert Vergnügen. Und manchmal schießt seine Inspiration in ungeahnte...
«Echt cool, das Ännchen!» Wenn vierzehnjährige Schüler sich so begeistert zeigen, wenn sie jubeln und johlen beim Schlussapplaus, wenn aus dem unruhigen Haufen zu Beginn ein gebanntes Publikum wird, dann hat das Theater etwas richtig gemacht. Etwa ein Drittel der Plätze war bei der B-Premiere von Carl Maria von Webers «Freischütz» von Schulklassen besetzt – in der...
Herr Foccroulle, inwieweit wollen Sie anknüpfen an die Tradition des Festivals von Aix-en-Provence?
Tradition ist für mich sehr wichtig. Es gibt seit sechzig Jahren eine Tradition dieser Festspiele, die von Daniel Dusurget bis hin zu Stéphane Lissner reicht, der das Festival acht Jahre leitete. An diese Tradition will ich anknüpfen, aber ich möchte sie auch...
