Markt der Möglichkeiten
Neue Musik – ein schillernder Begriff. Wertfrei definiert, müsste er eigentlich alles Zeitgenössische bezeichnen. Das sogenannte avancierte Klanggeschehen in Darmstadt oder Donaueschingen wie das Massengut kommerzieller Pop-Produkte. Tut er aber nicht. Wenn von Neuer Musik die Rede ist, schwingt immer ein normativer Anspruch mit: die Forderung nach Unerhörtem, nach substanzieller Erweiterung des Materials.
Im Ruf nach einer «zweiten Moderne» hallt sie noch nach, die Sehnsucht nach dem wegweisend Neuen, nach Klängen, die dem Lauf der Musikgeschichte eine Wende, eine Richtung geben könnten. Müssten. Sollten. Die Erwartungen haben sich nicht erfüllt: Ein belastbarer Konsens über das Neue in der Neuen Musik ist nicht mehr zu erkennen. Stattdessen: Anything goes, jeder darf nach eigener Façon selig werden auf dem globalisierten Markt der Möglichkeiten.
Wenn die seit zwölf Jahren veranstaltete MaerzMusik als «Festival für aktuelle Musik» firmiert, so bezeichnet dieser Untertitel nicht zuletzt die Abkehr vom Denken der alten Avantgarde. Matthias Osterwold, der Künstlerische Leiter des Berliner Festspielunternehmens, feiert lieber das pluralistische Nebeneinander unterschiedlichster ...
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Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Magazin, Seite 86
von Albrecht Thiemann
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Als er noch nicht der große Meister war, sondern ein kleiner Kapellmeister mit hochfliegenden Plänen, saß Richard Wagner eines Abends – es wird 1838 gewesen sein – in seiner Rigaer Wohnung und war angeregt von zwei Büchern. Das eine bot Erzählungen von Wilhelm Hauff, darunter das «Gespensterschiff». Das andere konfrontierte ihn mit dem Roman über einen...
Tannhäuser ist genervt. Unruhig tigert er durch den Salon der Dame Venus. Weder sie noch die tanzenden (schein-) nackten Damen und Herren, die eben noch im Bilderrahmen hinten auf der Bühne der Straßburger Opéra national du Rhin in Starrheit verharrten, können ihn auf andere Gedanken bringen: Er will da weg. Der Raum, in dem er sich immer unwohler fühlt, ist nichts...
