Marathon Man
Mit «Marathon Man» verbindet man in der Regel Dustin Hoffman im gleichnamigen Film, oder aber Haile Gebrselassie, den Weltrekordler auf dieser klassischen Laufstrecke. Doch nicht vom Abzählen der 42,195 Kilometer, vom eintönigen, mechanisch aus dem Steiß entwickelten Trott sei hier die Rede, sondern von der eleganten Bewegung aus den Schultern heraus, vom präzise abgemessenen Pendeln der Arme, der brillanten Schlagtechnik, einer ökonomisch-lakonischen Zeichensprache. Vom Dirigenten Lorin Maazel also.
Denn an einem Wochenende im Dezember unternahm der bald achtzigjährige Maestro in Santiago Calatravas «Palau de les Arts» in Valencia schier Unglaubliches: Am Freitag vor Weihnachten dirigierte er dort Verdis «Don Carlo», Version 1884 – ohne Fontainebleau-Bild und doch viereinhalb Stunden lang, von halb neun Uhr abends bis ein Uhr früh. Am hierauf folgenden Samstagmorgen folgte die Generalprobe für die offizielle Eröffnung des Konzertauditoriums im gleichen futuristischen Bau, mit einer kurzen Uraufführung eines Feierstücks des lokalen Komponisten César Cano sowie mit Beethovens «Weihe des Hauses» und der Chorfantasie, schließlich de Fallas «Nächte in spanischen Gärten» und Ravels ...
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