Auf Leben und Tod
Mozarts «Entführung» 1:1 auf die Bühne zu bringen, verbietet sich heute fast von selbst. Das Konfliktpotenzial dieses vermeintlichen «Singspiels» gilt es zu schärfen, sei es durch ironisch-theatralische Doppelung der Sänger (Hans Neuenfels in Stuttgart), die Einführung einer modernen türkischen Erzählerin (Martin Duncan in München) oder Überhöhung zur virtuosen, bildmächtigen Menschheits-Parabel (Stefan Herheim in Salzburg).
Tatjana Gürbaca ging puristischer ans Werk, las Partitur und Text sehr genau und verstörte doch das Augsburger Premierenpublikum mit einer noch vor der Ouvertüre eskalierenden Eifersuchtstragödie unter sieben Jugendlichen von heute. Die bereits hier einsetzenden Buhrufe ließen keine störungsfreie Aufführung erwarten. Doch blieb es im Zuschauerraum erstaunlich ruhig, bis am Ende die Explosion des Stücks unter die Haut fuhr: Zum vermeintlichen Happy-End lärmte der Janitscharen-Chor vom Band, die Protagonisten stürmten in den hell erleuchteten Zuschauerraum, während auf der Bühne unter Arbeitslicht in Windeseile abgebaut wurde.
Tatjana Gürbaca hat die Vorgeschichte auf die Spitze getrieben: Belmonte hat Selim die Geliebte ausgespannt (im Original «raubt» sie der ...
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Am 16. April 1931 hebt sich in der Wiener Staatsoper der Vorhang zu einem Werk, das neu ist und zugleich bejahrt. Der Grund für diesen Widerspruch liegt auf der Hand: Aus der Taufe gehoben wird das Dramma per musica in tre atti, «Idomeneo, Rè di Creta». Doch nicht jenes anno 1781 in München uraufgeführte Werk gleichen Namens von Wolfgang Amadeus Mozart erleben die...
Seiji Ozawa dirigiert mehr mit den Augen als mit den Händen, die nur kleine Bewegungen verrichten. Die Liebesträume und Pilgerzüge des «Tannhäuser» erblühen betörend farbig und intensiv. Mit klarer Stimmgewalt bestreitet Eva-Maria Westbroek die Partie der Elisabeth. Gegen sie behauptet sich mit erotischen Verlockungen das dunkler getönte Organ von Béatrice...
Die Zuversicht des Komponisten, vor ein paar Jahren im Gespräch geäußert (OW 6/2005), hat sich längst in eine große Frage verwandelt, zumal nach dem Tod Karlheinz Stockhausens am 5. Dezember 2007. Wo wäre der «Abenteurergeist» zu finden, der sein Musiktheater «Licht» in die Realität befördert? Da harrt ein Bühnenwerk seiner szenischen «Erlösung», das voluminöser...
