Makellose Technik, stupender Ausdruck
Die Barockoper und die der Vorklassik sind heute fest in den Händen der Countertenöre. Es vergeht kaum ein Monat, in dem nicht ein Solorecital eines der führenden oder aufstrebenden Vertreter dieses Fachs erscheint. Hier spiegelt sich die Hierarchie der barocken Theaterpraxis der Opera seria wider, in der die männlichen Hauptpartien Alt- bzw. Soprankastraten vorbehalten waren. Bässe finden sich eher selten, ihre Domäne war die Opera buffa. Aber auch die Tenöre blieben meist Randfiguren und stellen neben Vätern mit Vorliebe Schurken und Tyrannen dar.
Nur in der französischen Tragédie lyrique, die keine Kastraten kennt, besaß der haute-contre, die hohe Tenorstimme, ein zentrales Daseinsrecht.
Allein schon aus diesem Grund ist die CD mit Gluck-Arien hoch willkommen, die der Tenor Daniel Behle jetzt herausgebracht hat. Dort finden sich, neben der populärsten Gluck-Arie, der Klage des Orpheus aus der französischen Version «Orphée et Eurydice», hauptsächlich unbekannte Stücke aus frühen, zwischen 1744 und 1756 entstandenen Seria-Opern – allesamt formal konventionelle Da-capo-Arien, die demonstrieren, dass der spätere Opernreformer in der Tradition aufwuchs, sie beherrschte und ...
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Opernwelt August 2014
Rubrik: CD des Monats, Seite 23
von Uwe Schweikert
Am 4. Juli sollte das Festival in Avignon eröffnet werden. Mit Heinrich von Kleists «Prinz von Homburg» und Alain Platels «Coup fatal». Intendant Olivier Py musste die Premieren absagen – wegen eines Streiks. Der «Printemps des Comédiens» in Montpellier? Drei Vorstellungen, der Rest gestrichen. Das Festival d’Aix-en-Provence? Massiv gestört (siehe Seite 4). Und...
Aus den Schloten von Basstuba und Bassposaune steigen giftige Dämpfe auf – in übermäßigen und verminderten Quarten. Celli schmieren, dreifach geteilt, eine Mixtur aus chromatischen Quartsextakkorden auf den Untergrund wie Öl auf den Asphalt. Hörner und Holz bewegen sich in Gegenrichtung gleich Autos auf den Spuren einer Straße. Ihre Metren sind verschieden. Im...
Der Vorhang – eine Ortsbeschreibung im Schummerlicht. Etwas trockenes Gras. Viel Sand. Endlose Weite am Ende der Welt. Gottverlassener geht’s nicht. Hier spielt in Zürich «La fanciulla del West». Vorhang auf. Die bühnenbreite Theke der Kneipe «Zur Polka» drückt sich ganz nahe an die Rampe und scheint kaum Raum für sinnvolles Spiel im zudem brechend vollen Raum zu...
