Ins Äusserste getrieben
Der Vorhang – eine Ortsbeschreibung im Schummerlicht. Etwas trockenes Gras. Viel Sand. Endlose Weite am Ende der Welt. Gottverlassener geht’s nicht. Hier spielt in Zürich «La fanciulla del West». Vorhang auf. Die bühnenbreite Theke der Kneipe «Zur Polka» drückt sich ganz nahe an die Rampe und scheint kaum Raum für sinnvolles Spiel im zudem brechend vollen Raum zu lassen. Denken wir. Nicht so Barrie Kosky, der Intendant der Komischen Oper Berlin. Er hat, unterstützt von Bühnenbauer Rufus Didwiszus und Kostümentwerfer Klaus Bruns, Giacomo Puccinis Western-Oper inszeniert.
Die Bar, die Hütte der Titelheldin, der kaputte, wie gefledderte Finalraum: Orte der Unwirtlichkeit, keine Western-Exotik.
Rohe Burschen und ihr Rabaukentum, hart am Rande der Lynchjustiz, ihre Reizbarkeit, ihr Jähzorn, ihre Rangeleien und Nicklichkeiten, ihr Frust, ihr Suff und ihre Weinerlichkeit – all das lässt Kosky auf- und ausbrechen, präzise beobachtet, aus der rasch wechselnden Stimmungslage entwickelt und aus dem drangvoll engen Durcheinander wie spontan herausgefiltert. Koskys Konzept: die absolute Buchstabentreue. Seine Einsicht: Jedwedes Aufweichen von Puccinis musikalisch präzise vorgezeichneten ...
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Opernwelt August 2014
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Heinz W. Koch
Einen «Bad Boy of Music» nannte sich George Antheil in seinen 1945 erschienenen Memoiren, und in der Tat mischte er in den 1920er-Jahren als Skandalkomponist die Avantgarde diesseits und jenseits des Atlantiks ganz schön auf. Nach seiner Übersiedlung in die USA verblasste allerdings sein diesbezüglicher Ruhm: Antheil verdiente seinen Lebensunterhalt vornehmlich als...
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Der Komponist Gerhard Stäbler (Jahrgang 1949) gehört zu den Künstlern, die auf Messers Schneide operieren. Die gleichermaßen der angeblich reinen Autonomie des Ästhetischen (zumal der Systemgläubigkeit der Darmstädter Serialismus-Schule, die so monolithisch-dominant freilich gar nicht war) wie der Traditionsgattung Oper misstrauen, aber auch dem postmodernen...
