Magische Romantik
Ach ja, die gute alte Helmina von Chézy. Ihre Reputation in der Musikgeschichte ist miserabel, dank ihrer Texte gelten so hochkarätige Kompositionen wie Schuberts «Rosamunde» und Webers «Euryanthe» als ungenießbar. Eine vorsichtige Ehrenrettung der frühen Journalistin und alleinerziehenden Mutter, die zumeist als schrille Nervensäge auftrat, bot Christoph Schwandt unlängst in seiner monumentalen Weber-Biografie. Noch mehr legt sich der Frankfurter «Euryanthe»-Dramaturg Zsolt Horpácsy für die Geschmähte ins Zeug.
Wenn in der Neuinszenierung der Blick dann aber den Übertitelungen folgt, gewahrt er nicht einen einzigen guten Vers (wie es den «Fidelio»-Librettisten wenigstens ab und zu gelang, wenn’s nicht Beethoven selbst war). Wagner, der Weber genau kannte, hat indes bei der Chézy abgekupfert, vor allem beim Racheduett Eglantine/ Lysiart, das im «Lohengrin» regelrecht recycelt scheint. Wagner aber bildete sich ein, er hätt’s von Shakespeare.
Im mit «Euryanthe» vergleichbaren Fall des Schubert’schen «Fierrabras» hätte Peter Stein, den ein altmodisch-aufgequollener Textkorpus zu opahaft zwinkernder interpretatorischer Uneigentlichkeit verführte und der damit 2014 eine wichtige ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2015
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Hans-Klaus Jungheinrich
Fast immer wenn die Staatskapelle Berlin mit Daniel Barenboim auf Frühjahrstour geht, wird Barockes aufgeführt, mit befreundeten Musikern im Orchestergraben, oft spektakulär: René Jacobs und die Akademie für Alte Musik Berlin heben Raritäten des 17. oder 18. Jahrhunderts ans Licht. Wie eben Georg Philipp Telemanns 1973 in Magdeburg erstmals wiederaufgeführte Oper...
Bis jetzt hat Kasper Holten, seit 2011 Direktor des Londoner Royal Opera House, in der britischen Hauptstadt eher durch seine kommunikative Art und einen guten Draht zum Publikum gepunktet als mit seinen eigenen Produktionen. Weder sein ROH-Regiedebüt mit «Eugen Onegin» noch seine «Don Giovanni»-Inszenierung konnten Zuschauer und Kritik überzeugen. Mit seiner...
Eine Festgesellschaft, zum tableau vivant erstarrt. Nur Violetta bewegt sich, aus dem Rahmen, aus der Zeit gefallen. Das Preludio gilt nur ihr: der Figur, der die Regie die Hauptlast der Gefühle zuschreibt.
So lässt Tatjana Gürbaca die Osloer «Traviata» beginnen. Und genauso wählt David Hermann in Zürich den Einstieg. Dieses bei zwei fast zeitgleich entstandenen...
