Lustvoll dekonstruiert
«Se prohibe fumar» stand im Juni 2005 rot und streng auf grauer Wand bei Andrea Breth draußen in der Helmut-List-Halle, anlässlich von Nikolaus Harnoncourts Styriarte. Und der Abend verlief auch so. Rauchen verboten, Liebe dito, Fantasie, Freiheit, alles. Bloß die Utopie blieb den Figuren damals im Bunkerraum, der den Geruch nach abgestandenem Schweiß zum Bild werden ließ. Nun, im Oktober 2006 im Grazer Opernhaus bei Stefan Herheims theatralisch so ganz anders verlaufender Produktion, ist das Rauchen erlaubt. Dafür liest man «Ne touche pas». Und «Silence».
Denn auch bei ihm geht es um Begrenzung – wie es die von Bilderrahmen dominierte Bühne der Heike Scheele suggeriert. «Wer der Kunst den Rahmen weist, raubt ihr zugleich den freien Geist», sagt ein Gast auf dem Ball der Künstler und Kunstfiguren (von Brueghels Gestalten bis zum Warhol-Klon), den Herheim im zweiten Akt der «Carmen» interpoliert. Als man einen abgeschlagenen Kopf erblickt, fällt einem natürlich Hans Neuenfels ein. Doch dieser hier findet sich in Salomes Händen und gehörte einmal Jochanaan. Kein Anlass zur Aufregung also.
An Neuenfels denkt man im Übrigen auch beim an die Frankfurter «Aida» erinnernden Regiekonzept. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Er hat es schon eine Nummer kleiner probiert. 1992 zum Beispiel, als er für acht Tage Frontleute aus Klassik und Pop zusammenholte. Gidon Kremer und Philip Glass, Laurie Anderson und Lou Reed spielten damals im Münchner Gasteig auf. Das «Art Projekt» entzückte alle, die beteiligten Musiker, das Publikum, die Rezensenten. Bloß den Produzenten «brachte es fast um»....
In der Avenue Montaigne ist die Welt noch in Ordnung. Fünf-Sterne-Hotels, Nobelkarossen, Edelboutiquen von Chanel bis Louis Vuitton – ein Boulevard des Luxus und der Moden. Die Tristesse der Banlieues ist weit weg, das süße Leben zum Greifen nahe. Bei Valentino, gleich neben dem Bühneneingang des Théâtre des Champs-Élysées, kostet die Abendrobe für die...
Man kann die Klagen bald nicht mehr hören: Das Publikum klassischer Konzerte und Opernaufführungen sei überaltert, und der jüngeren Generation fehle die Bildung, um Mozart, Verdi oder Wagner zu verstehen. Ganz zu schweigen vom Musiktheater des 20. und 21. Jahrhunderts. Statt bloß zu jammern, sind Orchester wie Opernhäuser längst zur Offensive übergegangen –...
