Lied, Welt, Zeit
Die Zeit. Ein «sonderbar Ding» sei sie, erkennt Feldmarschallin Fürstin Werdenberg. Sie taugt wohl auch als guter Leim, vermag sie doch zur sinnvollen Collage zu verkleben, was a priori nicht unbedingt füreinander geschaffen scheint. Unterschiedliche Lieder etwa wie auf den beiden hier verhandelten Alben. Deren Dramaturgie stellt über die Werke hinaus Zusammenhänge und Synergien her, die ohne den Faktor Zeit doch ein wenig wie an den Haaren herbeigezogen wirkten. Im einen Fall ist es die des Beginns, im anderen jene des Endes kompositorischer Tätigkeit.
So hat der Bariton Christian Immler sich, wie der Übertitel «Swan Songs» erhellt, der letzten Schöpfungen verschiedener Komponisten im Genre angenommen. Themen sind der Abschied aus den verschiedensten Blickwinkeln, vom grimmigen Scheitern zur Melancholie, aber auch die Überwindung durch Witz und Aberwitz. Sechs der letzten Lieder aus dem Todesjahr 1828 des so depressiven Franz Schubert (aus dem vom Verleger Haslinger zum «Schwanengesang» zusammengestellten Zyklus), dazu als Gegenpol Brahms’ tröstliche «Vier ernste Gesänge», die im Vergleich zu Schuberts rau-granitenem Liednachlass doch irgendwie wirken wie polierter Marmor. ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Gerhard Persché
Der Schlausten einer ist er nicht – wohl aber einer der naivsten. Von einer Katastrophe in die nächste taumelt der arme Candide. Anscheinend immer zur falschen Zeit am falschen Ort, gerät er als Soldat in den Krieg, in die Fänge der Inquisition, wird zum Mehrfachmörder und überlebt – auf wundersame Weise, wie alles andere – selbst das schwerste Erdbeben. Und als er...
Der Urknall geht auf das Jahr 2000 zurück. Damals entstand im Coffeeshop des Wharf Theatre in Sydney die Idee, eine auf Werke des 17. und 18. Jahrhunderts spezialisierte Opernkompanie ins Leben zu rufen. Die Akteure: der musikbegeisterte Unternehmer Ken Nielsen und ein paar engagierte junge Musiker – darunter die heutige Geschäftsführerin der Pinchgut Opera,...
Am Anfang war der Kuss. Innig umschlungen stehen eine Frau und ein Mann in der Bühnenmitte, liebkosen sich mit der Zärtlichkeit des ersten Mals und wollen selbst dann nicht voneinander lassen, als das aus dem Raunen der Kontrabässe sich entwickelnde, initiale Es-Dur anschwillt zum Wagner’schen Klangstrom, der vom Werden der Welt kündet. «Weia! Waga! Woge du Welle»...
