Prinzip Hoffnung
Am Anfang war der Kuss. Innig umschlungen stehen eine Frau und ein Mann in der Bühnenmitte, liebkosen sich mit der Zärtlichkeit des ersten Mals und wollen selbst dann nicht voneinander lassen, als das aus dem Raunen der Kontrabässe sich entwickelnde, initiale Es-Dur anschwillt zum Wagner’schen Klangstrom, der vom Werden der Welt kündet. «Weia! Waga! Woge du Welle» intonieren die Rheintöchter die ersten Worte der Tetralogie.
Das junge Paar presst weiterhin die Lippen aufeinander, hat nur Augen für sich, auch dann noch, als mit dem Auftritt Alberichs der unschuldige Urzustand des Menschseins in Gefahr und aus dem Lot gerät.
Doch zunächst zeigt Stephen Langridge uns mit diesem wunderbar einfachen Bild, das die erste vollständige «Ring»-Inszenierung in Göteborgs Opernhaus eröffnet, dass man Archetypen sehr wohl ganz konkret lesen darf. Zwar ist die «Edda» hier im Norden durchaus eine vertraute Geschichte, doch die Menschen der Stadt am Kattegat sind «Ring»-Novizen. Also erzählt der regieführende Intendant (und designierte Direktor des Glyndebourne Festivals) den Plot so deutlich, direkt und anti-illusionistisch, wie Evan Rogister im Graben dirigiert: dezidiert unmystisch, rhetorisch ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Peter Krause
Nun hat der neue Musikchef also offiziell seinen Einstand gegeben. Mit einer neuen «Traviata», die Willy Deckers legendäre, aus Salzburg übernommene Inszenierung (2010) ersetzt. Wie ein Held wurde Yannick Nézet-Séguin schon gefeiert, bevor der erste Takt der Ouvertüre erklungen war. Als der Dirigent nach der Premiere den frenetischen Schlussapplaus entgegennahm,...
Auf den Aufstand der Matrosen ist man in Kiel mächtig stolz. Als Helden einer Erhebung werden sie heute verehrt, die das morsche Kaiserreich zum Einsturz brachte. Als mutige Vorkämpfer der ersten Demokratie auf deutschem Boden. Der Platz zwischen Hauptbahnhof und Hörn, dem südlichen Hafenbecken, trägt seit 2011 ihren Namen, und in der alten Fischhalle am Wall...
Für einmal nicht «Hänsel und Gretel», sondern «Aschenputtel». Doch nicht von Rossini (und auch nicht von Massenet), sondern aus der Feder einer der bedeutendsten Sängerinnen der Operngeschichte. Pauline Viardot, die erste Fidès in Meyerbeers «Le prophète», die seit 1841 regelmäßig als «Cenerentola» in Rossinis Oper brilliert hatte, ließ 1904 eine einaktige Operette...
