Lieb’, Leid – und Freud

Bellini: La Sonnambula (Graz)

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Sigmund Freud scheint zur Zeit in Österreich die Rolle des Igels (im bekannten Wettlauf mit dem Hasen) innezuhaben: Wo immer man hinkommt, ist er schon da. Während Claus Guth seine «Tannhäuser»-Exegese an der Wiener Staatsoper in Freud’schen Gefilden ansiedelt, tritt der Psychoanalytiker in der Grazer Produktion von Bellinis «Sonnambula» unter dem Pseudonym Conte Rodolfo gar persönlich auf und bringt seine Couch gleich mit.

Es ist eine ver-rückte Inszenierung im doppelten Wortsinn: Tobias Kratzer und Rainer Sellmaier, vor zwei Jahren Sieger beim Regie-Wettbewerb des Wagner-Forums in Graz, lieben Scherz, Satire, Ironie, tiefere Bedeutung und das Qui-pro-quo, bieten Zirkus (inklusive Seiltänzerin als «Amina im Traume»), Drama und Gesellschaftskritik, gehen dabei freilich manchmal über die Sättigungsgrenze hinaus.

Ausgangpunkt ihres Konzepts war ein Ballett-Exposé Eugène Scribes, das Bellini und seinem Librettisten Felice Romani als Vorlage diente (weswegen der Chor hier anfangs in Tutus auftritt). Das von Scribe angedeutete inzestuöse Element, das Romani schamhaft verdrängte – Graf Rodolfo, der Amina begehrt, stellt sich als deren Vater heraus – wird hier im Sinne Freuds zumindest ...

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Opernwelt August 2010
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Gerhard Persché

Vergriffen
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