Aufgefrischt und konserviert

Zwei Arten, eine Opera buffa zu inszenieren: Rossinis frühe Farce «L’equivoco stravagante» und Cimarosas «Matrimonio segreto» auf DVD

Opernwelt - Logo

Mit seiner dritten Oper, der abendfüllenden zweiaktigen Farce «L’equivoco stravagante» (Das wunderliche Missverständnis), hatte der erst 19-jährige Gioacchino Rossini wenig Glück. Die Behörden in Bologna, wo das Stück herauskam, stießen sich an den erotischen Freizügigkeiten des Textes von Gaetano Gasbarri wie an dem Plot selbst. Nach nur drei Aufführungen wurde die Oper vom Spielplan genommen. Für den Komponisten war das eine schlimme Erfahrung, denn er hatte alle seine damals schon beträchtlichen Talente in diese Arbeit gesteckt.

Heute kann man nur staunen über die frühreife Souveränität im Aufbau der Ensembles und das handwerk­liche Geschick im Mixen disparater Stile. Pastorale und romantische Elemente vermischen sich mit burlesken und buffonesken.

Das damals inkriminierte Libretto schockt heute niemanden mehr, stattdessen kann man den Aberwitz der Handlung und die witzigen Dialoge goutieren. Der arme Ermanno versucht seinen reichen Nebenbuhler Buralicchio außer Gefecht zu setzen, indem er ihm weismachen lässt, seine Zukünftige Ernestina, Tochter des neureichen Großbauern Gamberotto, sei in Wahrheit ein Kastrat, der in Frauenkleider gesteckt wurde, um dem Militärdienst zu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2010
Rubrik: Medien, Seite 33
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Im Dunkel der Seelen

Auch mehr als hundert Jahre nach ihrer Entstehung gehört Claude Debussys einzige Oper noch immer zu den großen Herausforderungen des Musiktheaters. Wie in Wagners «Tristan» (der in Maeterlincks Drama – Debussys Textvorlage – ständig als Bezugspunkt im Hintergrund spukt) ist auch in dieser Dreiecksgeschichte aus Liebe, Eifersucht und Tod alle Handlung nach innen...

Lieb’, Leid – und Freud

Sigmund Freud scheint zur Zeit in Österreich die Rolle des Igels (im bekannten Wettlauf mit dem Hasen) innezuhaben: Wo immer man hinkommt, ist er schon da. Während Claus Guth seine «Tannhäuser»-Exegese an der Wiener Staatsoper in Freud’schen Gefilden ansiedelt, tritt der Psychoanalytiker in der Grazer Produktion von Bellinis «Sonnambula» unter dem Pseudonym Conte...

TV-Tipps Klassik

PROGRAMMTIPP: «Lulu»

Frank Wedekinds Lulu-Tragödien machten nicht nur auf der Schauspielbühne Furore. Alban Berg stellte die «Nachtwandlerin der Liebe» (Karl Kraus), die sich jenseits aller moralischen Konvention bewegt, ins Zentrum seiner letzten (unvollendet gebliebenen) Oper. Nun bringen die Salzburger Festspiele in der Felsenreitschule eine Neuproduktion der...