Licht und Schatten
Ein Vokalrezital der etwas anderen Art hat Diana Damrau herausgebracht. Zum einen wird das obligate Begleitinstrument Klavier durch die Harfe ersetzt, was bei den Liedern von Debussy, Fauré und Strauss problemlos, bei Schumann etwas weniger gut funktioniert. Xavier de Maistre, Soloharfenist der Wiener Philharmoniker, erweist sich als hochmusikalischer, überaus einfühlsamer Begleiter, der zwischen den einzelnen Liedgruppen auch mit schön ausmusizierten Solostücken aufwartet.
Und zum andern ging die Sängerin das Risiko einer Live-Videoaufzeichnung ein, wobei ihr mit dem Musikfilmregisseur Brian Large ein Könner seines Fachs zur Seite stand. Der Versuch ist hervorragend gelungen. Die Aufnahme aus dem Festspielhaus Baden-Baden zeigt die Sängerin mit dem Rücken zum leeren Saal und mit dem Publikum vor sich auf der Bühne, womit zugleich große Konzertsaalatmosphäre und kammermusikalische Nähe suggeriert wird. Den Affektgehalt der Lieder verdeutlicht die opernerfahrene Sängerin optisch auf überaus lebendige und trotzdem dezente Weise, ihre Mimik wirkt vor der Kamera vollkommen natürlich und nie überzogen. Stimmlich hat sie ihre schönsten Momente in den weiten Melodiebögen, den Lyrismen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Max Nyffeler
Wer kam zuerst? Der Romancier Antoine-François Prévost mit seiner «Histoire du chevalier des Grieux et de Manon Lescaut» – oder William Hogarth, der Londoner Maler und Kupferstecher, mit «A Harlot’s Progress»? Die Geschichten – beide aus dem Jahr 1731 – ähneln einander wie zweieiige Zwillinge. Im Stenogramm: Die Heldinnen Manon Lescaut bzw. Moll Hackabout,...
Er wolle nur noch Opern inszenieren, hat Schauspiel-Regisseur Alvis Hermanis erklärt. Doch während ihm am Wiener Burgtheater Großtaten wie «Platonov» und «Eine Familie» (von Tracy Letts) gelangen, konnten seine zwei Opernarbeiten (zuletzt «Gawain» in Salzburg) den Charakter von Auftragsarbeiten nie ganz verleugnen. Ein wenig eigenständiger gibt sich «Così». In...
«Simon Boccanegra» hat lange gebraucht, bis er sich endlich gegen alle Widerstände durchsetzen konnte. Populär ist die düstere, schwermütig-pessimistische Oper auch heute nicht, gehört aber doch seit den 1950er-Jahren unbestritten zum Verdi-Kanon. Schallplattenaufnahmen sind rar, gelungene kann man an einer Hand abzählen. Die konzertante Produktion vom April 2013...
