Licht des Südens

Vergessener Großmeister aus Barcelona? Ein Domènec-Terradellas-Zyklus, gestartet von Juan Bautista Otero

Opernwelt - Logo

Sollte die Musikgeschichtsschreibung ein Genie übersehen haben? Domènec Terradellas wurde 1713 in Barcelona geboren und starb 38 Jahre später in Rom. Seine dreiaktige Metastasio-Oper «Artaserse», 1744 für Venedigs Teatro San Grisostomo komponiert, lässt gleich mit ihrer Eingangsarie aufhorchen. Überrascht vernimmt man in Melodieführung, Harmoniebildung und Verzierungstechnik eine ganz eigene Stimme, die in keiner Weise an Händel, Vivaldi, Hasse & Co erinnert. Und doch hat Terradellas’ überwältigender Ideenreichtum nichts Tastendes.

Sieghaft und souverän schöpft er aus einer fast Mozart’schen Gedankenfülle. Jede Arie zieht den Hörer in eine andere Stimmung hinein, präsentiert eine andere Farbe, macht eine neue Zauberkiste auf. Nichts klingt routiniert oder wie von der Stange. Selbst die Rhythmen, die einen unwillkürlich mitwippen lassen, wechseln ständig. Jeder Arie scheint ein anderer Tanz unterlegt zu sein. Terradellas ist schließlich Spanier. Da liegt der Flamenco im Blut. Und wenn der Jüngling Arbace – fälschlich der Verbrechen seines Vaters angeklagt, den er mit seinem Schweigen deckt – zum Tode verurteilt wird, dann singt er seine Abgangsarie in der Manier eines ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2009
Rubrik: Medien/CDs, Seite 30
von Boris Kehrmann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Mal wieder richtig austoben

Die Zweifel, die Händel-Forscher Rainer Heyink im Booklet der Neueinspielung am mutmaßlichen Auftraggeber des «Rodrigo» äußert, scheinen nur allzu berechtigt: Sollte der toskanische Großherzog Ferdinando de Medici wirklich eine Oper bestellt haben, in der ausgerechnet der Herrscher als ziemlicher Versager porträtiert wird? Bei der Florentiner Uraufführung 1707...

Leerlauf in Metropolis

Der Schluss von Mozarts «Idomeneo» ist eine Herausforderung: Was tun mit einer Musik, die einfach weiterspielt, obwohl das Lieto fine längst erreicht ist? Dass die Ballettmusik, die bei der Münchner Uraufführung 1781 vom Fest auf der Bühne zum anschließenden Fest im Saal überleiteten sollte, weit mehr sein kann als ein bloßer Wurmfortsatz, weiß man spätestens seit...

Übersteuert

Erich Wolfgang Korngolds «Tote Stadt» wurde 1920 uraufgeführt, und zwar gleichzeitig in Hamburg und Köln. Ein Erfolg, von dem sich das Junggenie nie mehr erholte. Soweit, so bekannt. Mit dem Datum 1920 verbinden sich auch viele aufführungspraktische Aspekte, die weit weniger bekannt zu sein scheinen. Wie dezent konnte das vorgesehene Mammutorchester damals...