Übersteuert

Korngold: Die tote Stadt in Nürnberg

Opernwelt - Logo

Erich Wolfgang Korngolds «Tote Stadt» wurde 1920 uraufgeführt, und zwar gleichzeitig in Hamburg und Köln. Ein Erfolg, von dem sich das Junggenie nie mehr erholte. Soweit, so bekannt. Mit dem Datum 1920 verbinden sich auch viele aufführungspraktische Aspekte, die weit weniger bekannt zu sein scheinen.

Wie dezent konnte das vorgesehene Mammutorchester damals begleiten? Um wie viel geringer als heute war, aufgrund anderer Spielweisen und zum Teil sogar anders gebauter Instrumente, der Lautstärkepegel? Keine Frage: Der junge Korngold hat oft überinstrumentiert; er griff rasch und gern in den Topf der Instrumentalfarben. Dennoch: Der Orchesterklang, den er schreibend im Ohr hatte, muss von dem, was wir heute gewohnt sind, durchaus verschieden gewesen sein. Sonst hätten niemals genuin lyrische, schmelzbegabte Stimmen wie Richard Tauber oder Maria Jeritza die Hauptpartien singen können.
In Nürnberg wurde man sich dieser Problematik schmerzlich bewusst. Philipp Pointner, der Erste Kapellmeister des Hauses, hatte die Phrasierung zwischen Bühne und Graben genau abgestimmt. Er atmete mit den Sängern. Trotzdem war das Volumen des Orchesters von Anfang bis Ende zu laut, was mit der Akustik ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2009
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Auf der Suche nach dem Königsweg

Mehr als ein Vierteljahrhundert ist verstrichen, seit Carl H. Hiller in dieser Zeitschrift mit ­einem monografischen Essay auf den wohl bedeutendsten polnischen Komponisten nach Chopin aufmerksam machte (siehe OW 1/1983): Karol Szymanowski. Damals kannten allenfalls ein paar Connaisseurs das umfangreiche Œuvre des eigensinnigen Ästheten, der zeit seines viel zu...

Leerlauf in Metropolis

Der Schluss von Mozarts «Idomeneo» ist eine Herausforderung: Was tun mit einer Musik, die einfach weiterspielt, obwohl das Lieto fine längst erreicht ist? Dass die Ballettmusik, die bei der Münchner Uraufführung 1781 vom Fest auf der Bühne zum anschließenden Fest im Saal überleiteten sollte, weit mehr sein kann als ein bloßer Wurmfortsatz, weiß man spätestens seit...

Cyberspace mit Trauerflor

Alles hängt in nachtgrauer Luft. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Himmel und Erde. Was war, was ist, was wird – niemand weiß das mehr zu sagen. Kalt fließt die Zeit, ohne Ursprung, ohne Ziel. Die letzte Stunde hat offenbar schon geschlagen, die Welt taumelt ihrem Ende unrettbar entgegen, wenn im Palau de Les Arts Reina Sofía unter den Augen der Königin die...