Leuchtspur des Inneren

Zeichenhafte Wahrheit: Achim Freyer inszeniert in Mannheim Verdis «La traviata» |

Opernwelt - Logo

Achim Freyer, der große Bühnenkünstler und Maler, zeigt in seiner gleichermaßen verstö­renden wie beeindruckenden Mannheimer Inszenierung von Verdis «La traviata», warum uns bei diesem Stück immer die Tränen kommen. Er hat Verdis Musik genauer gelesen, als wir sie bisher zu kennen meinten, und hinter dem Ver­gnügungstrubel der Pariser Gesellschaft die Leere, hinter der wahren Liebe aber, der die schöne Kurtisane Violetta von einem Augenblick auf den andern verfällt, den Tod entziffert.

Denn um nichts anderes als um Liebe und Tod geht es in diesem Stück: «Amore e morte» war kaum zufällig der Titel, den Verdi seiner Oper ursprünglich geben wollte, was aber von der Zensur verboten wurde.
Verdi hat in seinem wohl populärsten Bühnenwerk mit dem Schicksal der 1847 im Alter von dreiundzwanzig Jahren gestorbenen Marie Duplessis einen zeitgenössischen Stoff des französischen Boulevardtheaters aufgegriffen. Das hat bis heute zu der irrigen Annahme geführt, «La traviata» sei der Prototyp des realistischen Musiktheaters, wie wir es dann bei Puccini und den italienischen Veristen finden. Verdis Realismus aber ist ein Realismus der Form, ja des Genres, und nicht der Handlung. Der Tanz ist es, der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2008
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Es muss nicht immer Händel sein

Giovanni Carestini (1700-1760) verfügte, wie Zeitgenossen berichteten, nicht nur über einen traumhaft schönen Sopran von einzigartiger Kultur und Reinheit. Der Kas­trat war auch ein leidenschaftlicher Schauspieler voll szenischer Fantasie und Ambi­tion. Seine Verkörperungen rührten das Pub­likum zu Tränen. Das dürfte den Countertenor Philippe Jaroussky gereizt...

Gefühl ist alles

Sie hat Lorenzo da Ponte persönlich gekannt und erlebte noch die Ära von Claude Debussy und Richard Strauss. Pauline Viardot (1821-1910), Tochter von Manuel García und jüngere Schwester von Maria Malibran, war nicht nur eine epochale Sängerin, sondern auch eine wache und wichtige Zeugin ihres Jahrhunderts. Während ihrer aktiven Zeit rissen sich die großen...

Vivaldi: Juditha triumphans

Vivaldi schrieb «Juditha triumphans» für seine Schülerinnen im Ospedale della Pietà zu Venedig. Er konzipierte das Werk so, dass alle verfügbaren Instrumente zum Einsatz kamen. Der Orches­tersatz ist von hohem Reiz. Doch was Vivaldi für die Singstimmen komponierte, lässt eine originelle Handschrift, wie sie uns etwa von Händel oder von Hasse vertraut ist, kaum...