Lauter Uraufführungen

Fragen an Regisseur Stephan Jöris

Opernwelt - Logo

Herr Jöris, Ihre Inszenierung der «Winterreise» arbeitet mit zwei Stimmen (Bariton/Mezzo) und zwei Darstellern. Wie kam es zu dieser Dramaturgie und welche Ziele verfolgten Sie damit?
Es war mir freigestellt, welche Stimmfächer und wie viele Sänger bzw. Statis­ten ich einsetzen wollte. Je mehr ich mich mit dem Stück beschäftigte, desto mehr entwickelte sich die Konzeption: die innere Reise eines Lebenswanderers auf seinem einsamen Weg ans Lebensende.

Wobei ich versuchte, die Lieder als lebensbejahende (besetzt als Hosenrolle durch einen Mezzo) und lebensverneinende (Bariton) zu differenzieren. Der Mezzo übernahm dabei die Rolle ­eines Alter Ego. Dieses Prinzip zeigt sich auch in der Spielfläche, die durch ein zugefrorenes Rinnsal unterteilt ist. Die konkurrierenden Wesenszüge ein und derselben Person finden nur in bestimmten Situationen, sprich Liedern zueinander: als Erinnerung oder als Aufrütteln des Wanderers, der sich in einem Strudel der Depression und Todessehnsucht befindet. Sicher haben beim Entwickeln der Konzep­tion Typ und Timbre der beiden Protagonisten eine Rolle gespielt.

Welche Rolle kann eine darstellerische Beschäftigung mit Lieder­n im Rahmen einer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2005
Rubrik: Thema: Szenische Liederabende, Seite 35
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Sanfte Enttäuschung

Der ultimative «Eugen Onegin» ist dieser Mitschnitt aus der Wiener Staatsoper nicht, er hält lediglich ein regionales Ereignis fest: die mit berühmten Stimmen besetzte erste Wiener Aufführung der Oper in der russischen Originalsprache.
Das Unternehmen krankt schon vom Pult aus. Seiji Ozawa sucht das, was er für «russische Seele» hält, durch lähmend langsame Tempi...

Das zirkushafte Moment der Gefahr

Schauspieler, Dramaturgen, Dirigenten, Komponisten, Cineasten, Humoristen, Psychologen, Schriftsteller inszenieren Oper. Ist der Opernregisseur jemand, der nicht weiß, welchen Beruf er verfehlt hat?
Speziell hier in England, wo die Kunst gern diesen muffigen Geruch von Amateuraufführung und Gemeindesaal annimmt, lieben wir die Quereinsteiger. Etwa, wenn ein...

Verdi: Attila

Verdis wilde Männer: Bald nach dem «Nabucco» ließ sich der Komponist von Attila fesseln, der «Geißel Gottes». Eine Paradepartie für Bässe, die Belcanto mit Ausdrucksgewalt zu verbinden wissen. In Gelsenkirchen setzt Nicolai Karnolsky seine robuste Stimme wirkungsvoll ein, wird allerdings von Jee-Hyun Kims Ezio in die Schranken verwiesen, ein Hüne in Gestalt und...