Das zirkushafte Moment der Gefahr
Schauspieler, Dramaturgen, Dirigenten, Komponisten, Cineasten, Humoristen, Psychologen, Schriftsteller inszenieren Oper. Ist der Opernregisseur jemand, der nicht weiß, welchen Beruf er verfehlt hat?
Speziell hier in England, wo die Kunst gern diesen muffigen Geruch von Amateuraufführung und Gemeindesaal annimmt, lieben wir die Quereinsteiger. Etwa, wenn ein Mediziner oder ein Altphilologe sich plötzlich zur Bühne hingezogen fühlt. Sich konsequent auf den Regieberuf vorzubereiten gilt demgegenüber oft als verdächtig, als «elitär» wie die so genannte «High Art» überhaupt.
Wie kamen Sie zum Theater?
Ich wusste schon im Alter von acht oder neun, dass ich dorthin wollte. Dabei wuchs ich in nicht gerade hochkunstfreundlichen Verhältnissen auf: in einer Arbeitersiedlung, einer Umgebung, wo man eher verprügelt wurde, wenn man sich als Opernliebhaber outete. Mein Interesse an Theater und Musik kam über das Radio, und schon in der Schule, im Werkunterricht, habe ich, statt Bücherstützen oder Regale zu basteln, Bühnen gebaut – etwa das gesamte Inventar des «Ring», ganz im Stil von Neubayreuth, Pseudo-Wieland-Scheiben und so weiter. Später studierte ich dann am Drama Department der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Hauptstadt der Region Lothringen Nancy, einstige Residenz der lothringischen Herzöge, bereitet sich auf ein großes Jubiläum vor: In diesem Jahr wird der 250. «Geburtstag» der 1755 eingeweihten Place Stanislas gebührend gefeiert – der damals aus Polen vertriebene König Stanislas I. Leszczynski hatte seinen Baumeister Heré mit der Gestaltung der heute immer noch...
Was noch nie sich traf, danach trachtet ihr Sinn: Anna Viebrock, bekannt als Ausstatterin Christoph Marthalers und Jossi Wielers, führt inzwischen selbst Regie und bringt Ungewöhnliches auf die Bühne. Wie Frank Castorf des herkömmlichen Repertoires überdrüssig, vertheaterte sie erst Robert Walsers Roman «Geschwister Tanner», um nun mit einem Musiktheaterprojekt,...
«Where is Salome?» Richard Strauss sollte man vergessen, wenn die Komponistin Lucia Ronchetti und ihre librettistische Mitarbeiterin Tina Hartmann einen postfeministisch-ironischen Blick auf Oscar Wildes extrem reduzierten Text werfen. Drei Männer warten in Salomes Zimmer auf die biblische Gestalt: ein Knabensopran, ein Countertenor und ein Bass, die nacheinander...
