Kurswechsel
Als Zeitreise durch die Aufführungsgeschichte des «Fidelio» hatte Paul-Georg Dittrich Beethovens Befreiungsdrama 2018 am Theater Bremen auf die Bühne gebracht. Acht historische Inszenierungen ließen der Regisseur und die Bühnenbildnerin Lena Schmid in einem musealen Guckkasten wiederauferstehen. Von der Wiener Uraufführung (1814) spannte sich der Bilderbogen über eine sowjetische Prolet-Kult-Aufführung (1928) und Hitlers Geburtstagsvorstellung am Stadttheater Aachen (1938) bis zur Dresdner Produktion von Christine Mielitz aus dem Wendejahr 1989.
Am Staatstheater Darmstadt hat Dittrich das Konzept nun weitergedacht. Ursprünglich wollte er das Ganze nur dem neuen Spielort anpassen, doch dann stellte er die Weichen komplett neu: Der zweite Akt wurde nicht nur inszenatorisch radikal überarbeitet, auch die Musik bekam neue Töne. Statt des Finales erklingt eine von Annette Schlünz komponierte Collage, die Beethovens freiheitstrunkenen Schlussjubel nur in Bruchstücken zitiert und mit einem großen Fragezeichen überschreibt. Ein Eingriff, den das Publikum nahezu unisono mit Buhrufen in Fortissimo-Stärke quittierte. Dabei trägt die nach vorhersehbarem Muster gestrickte Neubearbeitung noch die ...
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Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Silvia Adler
Ochi Chernye», das Lied von den «Schwarzen Augen», dient nicht nur als Code, unter dem der sich als russischer Ballerino ausgebende Fred Astaire in «Shall We Dance» seine Ginger wiederfindet, sondern ist zugleich ein melancholischer Fokus russischer Identität. So überrascht denn doch ein wenig, dass Ildar Abdrazakov mit dieser Nummer (vom Galakonzert unter Valery...
Weder Oper noch Oratorium. Nicht für die Bühne noch für sakrale Räume gedacht, sondern als «Dichtung» für den Konzertsaal. Robert Schumann stellte sich für das 1843 mit großem Erfolg in Leipzig uraufgeführte Werk «heitere Menschen» vor. «Das Paradies und die Peri»: eine unvergleichliche Komposition, inspiriert durch das erstmals 1817 erschienene Epos «Lalla Rookh»...
In der Berliner Staatsoper sieht man fast nur noch belanglos-dekorative Produktionen. Im Alten Orchesterprobensaal dagegen, Ort für kleinere Projekte, schießt man oft übers Ziel hinaus: Hier wird auf eine Weise experimentiert, dass man sich vor allem mit Rätseln konfrontiert sieht, mit einem Überschuss an Absichten, die szenisch selten genügend Schlagkraft...
