Krieg und Glamour
Neben den populären Klassikern zwischen «Carmen», «Traviata» und «La Bohème» sind Mozarts «Don Giovanni» und «Titus» – beide in Prag uraufgeführt – und die tschechische Oper Spielplan-Säulen des Narodní Divadlo, des Prager Nationaltheaters. Eine «Norma» hat es da schwer. Zumal die neue Produktion auf der Kippe stand: Daniel Dvorák, der das abstrakte Bühnenbild entworfen hatte, war während der Vorbereitungen als Operndirektor abgesetzt worden.
Die Probenarbeit haben solche Turbulenzen jedoch kaum beeinträchtigt: Bruno Berger-Gorski gelang die überzeugende Deutung einer tragischen, tödlich endenden Liebe aus Sicht der einzig Überlebenden – Adalgisa. Sie sitzt zu Beginn am Flügel und schlägt die Noten zu Bellinis Oper auf; am Ende sucht sie verzweifelt die Noten zu zerreißen – als ob sie damit den doppelten (Liebes-)Tod Normas und Polliones durch Gewehrkugeln in einem Flammenkreis verhindern und den Geliebten wie die Freundin retten könnte.
Dazwischen erzählt Berger-Gorski ein Kriegsdrama: Besatzer verbreiten mit Suchscheinwerfern, Gewehren und Hausdurchsuchungen Angst und Schrecken. Norma kann unter diesen Bedingungen die Folgen ihres Fehltritts (sie hat mit dem römischen «Feind» ...
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