Zu kurz gegriffen
Was immer man gegen Kirsten Harms, die viel gescholtene Intendantin der Deutschen Oper Berlin, sagen kann: Eines sollte man im Auge behalten. Die Deutsche Oper macht einen mutigen und eigenwilligen Spielplan. Wo andere Häuser auf den Barockzug aufspringen, längst entdeckte Meisterwerke «wiederentdecken» oder durch Kompositionsaufträge versuchen, historisch womöglich überlebte Facetten der Gattung Oper zu beleben, stellt die Deutsche Oper spannende Werke zur Diskussion, die man sonst nirgendwo sehen kann.
Die Dramaturgie des Hauses ist konsequent und könnte der Trend von morgen werden: Es geht ihr darum, das Erbe der bürgerlichen Oper um 1900 neu zu sichten, den europäischen Kontext deutlich zu machen, vor dem die Werke des Kernrepertoires entstanden sind, und dessen Schrumpfen entgegenzuwirken. Seit Kirsten Harms und ihr Chefdramaturg Andreas K. W. Meyer in Berlin wirken, ist die leidige Doubletten-Debatte verstummt. Das sollte man honorieren. Die Frage ist nur: Ist das Haus seinem Spielplan künstlerisch gewachsen?
Die Antwort nach der über dreistündigen Doppelpremiere «Cassandra»/ «Elektra» fällt zwiespältig aus. Vittorio Gnecchis 1905 von Arturo Toscanini in Bologna ...
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Ein szenisches Wagnis kann man den neuen «Macbeth» an der Metropolitan Opera kaum nennen. Bei seiner ersten Regiearbeit für das Haus setzte Adrian Noble, langjähriger Künstlerischer Leiter der Royal Shakespeare Company, auf einen monumentalen, prestigebewussten, luxuriösen und etwas anonymen Stil, den sein Vorgänger Trevor Nunn mit epischen Inszenierungen wie...
Hier geht es ums Ganze. «Kunst ist das größte, menschlichste und erhabenste politische Spiel», so steht es auf dem Transparent, das Hans Sachs während des Vorspiels auf der karg ausgestatteten Bühne installiert. Der Spruch wirkt zwar plakativ und pauschal, aber hier, in einer schleichend ausdünnenden Kulturlandschaft, hat er seinen Sinn. Warum sollte man in Halle...
Taugt das Metier der Oper als Mahnmal? Die Initiatoren der Uraufführung «Dunkelrot» bestreiten energisch, dass es ihnen mehr um ein gesellschaftspolitisches Signal als um die innere Dynamik des Musiktheaters ging. Ein riskanter Versuch war es allemal, den das Nürnberger Staatstheater im Dienste der als «Stadt der Menschenrechte» alle zwei Jahre an die...
