Kreativer Pragmatismus
Zum Finale der jüngsten Premiere regnete es rote Rosen aus dem Schnürboden. Da waren nämlich der König und die Blumenverkäuferin mit dem demokratischen Rückenwind von Volkes Stimme auch ganz offiziell ein Paar geworden. Vorher gab es im Operettenstaat Portowa zunächst das Greisenregime einer herrischen Regentin, eine falsche Revolution und einen Verfassungskompromiss zwischen den Vertretern der Dynastie und ihren Untertanen.
So wie es in Ruggero Leoncavallos schmissiger Operette «Die Rosenkönigin» aus dem Jahr 1912 vorgesehen war und jetzt in Erfurt das erste Mal über eine deutschsprachige Bühne ging. Für solche Spielplaneffekte hat Generalintendant Guy Montavon ein Händchen. Solch eine Ausgrabung bringt dem (Operetten-)Fan allemal einen Aha-Effekt, selbst wenn man sich vom Philharmonischen Orchester etwas mehr Esprit gewünscht hätte. So wie es bei der höchst gelungenen Wiederbelebung von Kálmáns selten gespielter «Bajadere» im Jahre 2003 zum Beispiel der Fall war. Für den Höhepunkt seiner laufenden «Bin beim Italiener»-Spielzeit hält Montavon dieses zwar unterhaltsame, aber von Peter Brenner zu bieder in Szene gesetzte Operettenschmankerl selbst nicht. Das steht mit Johann ...
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Wozzeck legt sein Ohr an die Erdkruste: Alles hohl, sagt er, und vermutet als Grund die Freimaurer. Aktuelle Bilder treten einem bei dieser Aussage vor Augen: Die Erde wird ausgehöhlt, das Öl abgezapft, Kohle so lange abgebaut, bis die trügerische «schöne» Oberfläche einstürzt. Menschlicher Forschungsgeist, menschliche Geldgier, menschliche Uneinsichtigkeit gründen...
Mimì strahlt. Frisch erwachte Liebessehnsucht zu Rodolfo steht ihr ins Gesicht geschrieben. Dabei müsste sie zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon eine Leiche sein, den Opernfilmtod ist sie bereits am Valentinstag gestorben. Ins melodisch verklärte Ende gehustet hat sich die moribunde Anna-Mimì, der die Kunst der Maskenbildnerei selbst die wonnige Kindshoffnung aus...
Seit Anfang des Jahres fixierten in der Londoner Untergrundbahn zwei auffällige Augenpaare eilige Hauptstädter und schlenzende Touristen: zwei Bilder, zwei Mädchen, kaum Frauen schon. Eine Lolita, mit lasziv halb geschlossenen Augen, vollroten Lippen machte herausfordernd Werbung für die neue «Salome» an der Royal Opera; ein selbstbewusst-traurig den Betrachter...
