Kontradiktionen
«Manon» sei keine rührselige Geschichte, da gehe es hart zur Sache, gerade was die Sexualität betreffe. Der das sagt, ist der Regisseur Olivier Py, und er beruft sich dabei auf die Vorlage zu Jules Massenets Oper, auf den Roman des Abbé Antoine-François Prévost von 1731. Entsprechend deftig erscheint «Manon» in der Produktion, die das Genfer Grand Théâtre in seinem Ausweichquartier, der Opéra des Nations, als erste Premiere der Spielzeit herausgebracht hat.
Bunt die Lämpchen, eindeutig die Schilder, mit denen die «Hotels» in diesem nachtschwarz gehaltenen Vergnügungsviertel auf sich aufmerksam machen. Die Bühne von Pierre-André Weitz lebt von filmischer Beweglichkeit, doch die Schienen, auf denen sich die Versatzstücke bewegen, nötigen mehr als einen Darsteller zu staksenden Schritten. Immerhin ergibt das ein Moment der Verfremdung in der sonst eher handgreiflichen Inszenierung, in der es nicht fehlt an straffer Brust, schlankem Schenkel und anderem mehr.
Dieselbe Handgreiflichkeit herrscht musikalisch, im Vokalen mehrheitlich, im Instrumentalen durchgehend – und das hat nun doch herbe Verluste zur Folge. Gewiss, Massenet verführt zum großen, pastosen Ton, zum kompakt auftragenden, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2016
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Peter Hagmann
«Unaufführbar», ganz schnell pflegt dieses Fallbeil ausgelöst zu werden. Als ob man mit ein, zwei Reflexionsumdrehungen mehr nicht zu anderen Schlüssen kommen könnte. Vielleicht weniger im Alltagsgeschäft des Stadttheaters. Aber für den Ausnahmefall «Festival» wäre das doch eine genuine Aufgabe: nicht das Naheliegende wie Gounods «Faust» zu realisieren oder...
Beethovens «Fidelio» war von Anfang an ein fester Pfeiler der Spielplanpolitik der Salzburger Festspiele. Einige der legendär gewordenen Aufführungen sind auf Tonträgern überliefert, Maßstäbe für spätere Zeiten setzte vor allem Wilhelm Furtwänglers Aufnahme von 1950 mit Kirsten Flagstad und Julius Patzak in den Hauptrollen.
Die Produktion von 1983, deren...
Herbert Fritschs Zürcher «Freischütz» ist eine derart einfallsreich gearbeitete Banalität, dass man gar nicht recht weiß, wovon man zuerst schweigen möchte. «Lebt kein Gott?», röhrt Max, der brave Jägersbursch. Klare Antwort: Nein. Und schlimmer noch: Um den Teufel ist es auch übel bestellt. Der hüpft von Anfang an und unermüdlich durch die Oper wie ein lästiges...
