Klare Zeichen

Trier, Wagner: Die Walküre

Opernwelt - Logo

Vor einhundert Jahren stemmte in Trier ein siebenundzwanzigjähriger Kapellmeister fast im Alleingang Wagners «Ring». Der junge Wilde hieß Heinz Tietjen und entfachte als Regisseur und Dirigent in Personalunion an der Mosel ein regelrechtes «Wagner-Fieber», wie die Lokalpresse damals vermerkte. Es war der Startschuss für eine Karriere, die ihn zum preußischen General­intendanten und künstlerischen Direktor der Bayreuther Festspiele wäh­rend der Nazi-Zeit aufsteigen ließ.
Dass man in Trier ein Jahrhundert später das Wagnis einer «Walküre» eingeht, ist freilich Zufall.

Im Theater wusste man nicht einmal von dem Jahrestag. Und doch ist die Produktion durchaus jubiläumswürdig. Hans ­Peter Lehmann zieht das souveräne Fazit aus fünf Jahrzehnten intensiver Beschäftigung mit dem «Ring». Da erfindet einer die Geschichte zwar nicht neu, erzählt aber mit stringenter Logik und klarer Linienführung. Für Lehmann handelt die «Walküre» vom Konflikt zwischen gesellschaftlichen Regeln und menschlichen Gefühlen. Für die Regeln stehen die in Runen gegossenen Gesetze. Fricka, Hüterin der Konvention, trägt sie gar als Kette um den Hals. Greift sie in die Handlung ein, erscheinen Runen-Projektionen auf der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2007
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Dieter Lintz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Peking Musical

629 Jahre nach Christus bricht der junge Mönch Tripitaka von China in den Westen auf, nach Kaschmir, um buddhistische Schriften zu studieren. Tripitakas meisterliche Übersetzungen indischer Lehre entwickeln sich später zu einer wichtigen Säule des chinesischen Bud­dhismus. Aus diesem historischen Kern entsteht Ende des 16. Jahrhunderts der burleske Roman «Xi You...

Neues Hörtheater

Von den großen politischen Utopien, die das 20. Jahrhundert bewegten (und zerrissen), will heute niemand mehr etwas wissen. Seit der Systemkonflikt zwischen staatlich verordnetem Sozialismus und einem demokratisch moderierten Kapitalismus entschieden ist und man mit der Apokalypse eher die drohende Klimakatastrophe als ein atomares Armageddon assoziiert, hat auch...

Eros und Gewalt

m Schluss der neunzigminütigen Aufführung stolperte Hans Neuenfels wie ein großes Kind auf die Bühne des Basler Theaters: als wollte und könnte er die Begeisterung des Publikums nicht recht begreifen. Das Ritual, das sonst aller­orten die Premieren beherrscht – Beifall für die Solis­ten und den Dirigenten, Buhs für das Regieteam – war an diesem Abend außer Kraft...