Kirchenfürst und Königin

PR-Koloraturen: Cecilia Bartolis und Joyce DiDonatos CD-Kampagnen

Opernwelt - Logo

Sie muss lange in der Maske gewesen sein, um so auszusehen: wie ein glatzköpfiger Kirchenmann, das Kreuz als Banner tragend, mit durchdringendem Blick, als wolle sie einen Ungläubigen mit dem Kruzifix exorzieren oder mindestens missionieren. Vermutlich war sie sich von Anfang an darüber im Klaren, dass die Angelegenheit maximalen Einsatz und ungewöhnliche Mittel der Werbung verlangt. Mit diesem Ansatz schritt sie zu ihrer Busenfreundin, einer weithin bekannten Kriminalautorin, die in Venedig lebt und die Sache so ernst nahm, dass sie ihr einen neuen Roman widmete.

Dieses literarische Opus deckte die eine Flanke ab, auf der das Unternehmen zum Publikum startete; auf der anderen war das obligatorische Tamtam in Form von überwältigender Interessantmacherei. Es geht bei alledem um die große Mezzosopranistin Cecilia Bartoli, die Schriftstellerin Donna Leon und den hier- und dortzulande beinahe vergessenen Komponisten Agostino Steffani. Die neue Platte heißt «Mission», was auf der Bedeutungsebene alles einschließt, was einem bei gründlicher Recherche zu dieser Causa einfällt.

Steffani bedarf fraglos eines Popularitätsbrenners, eines werblichen Schubs, denn außer Experten ist er kaum ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2012
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Wolfram Goertz

Weitere Beiträge
Breit aufgestellt

Zum vierten Mal fand in diesem Jahr der Concours Ernst Haefliger statt. Der Namensgeber war zweifellos einer der vielseitigsten Tenöre des 20. Jahrhunderts: als Evangelist der Bach-Passionen ebenso berühmt wie als Mozart-Sänger und Interpret zeitgenössischer Werke. Nicht zuletzt war Haefliger ein bedeutender Gesangspädagoge. Bei der ersten Ausgabe des Wettbewerbs...

Kasachische Lovestory

Ein kurzer Titel – was bedeutet er? Abai, auch Abay geschrieben, war der erste und wichtigste Dichter und Philosoph des mittelasiatischen Volkes der Kasachen, anno 1845 in Semej geboren, dort 1904 gestorben. Abai übertrug russische Literatur ins Kasachische, seine Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen Gedichte gelten trotz russischen Einflusses sprachlich wie...

Domingos 140. Partie

«I due Foscari» ist, obgleich relativ selten aufgeführt, ein Verdi-Werk von Gewicht, und das aus mehreren Gründen: Unter anderem lotet der Komponist hier erstmals die Dynamik von Eltern-Kind-Beziehungen aus; zum anderen gehört die Oper – wie auch Lord Byrons Drama, auf dem sie basiert – zu den ersten Kunstwerken überhaupt, die das populäre Bild Venedigs als Ort...