Domingos 140. Partie
«I due Foscari» ist, obgleich relativ selten aufgeführt, ein Verdi-Werk von Gewicht, und das aus mehreren Gründen: Unter anderem lotet der Komponist hier erstmals die Dynamik von Eltern-Kind-Beziehungen aus; zum anderen gehört die Oper – wie auch Lord Byrons Drama, auf dem sie basiert – zu den ersten Kunstwerken überhaupt, die das populäre Bild Venedigs als Ort heiter-gelassener Kunstsinnigkeit und Fantasie hinterfragen.
Insbesondere dieser zweite Aspekt ist es, auf den Thaddeus Strassberger mit seiner Neuproduktion an der Los Angeles Opera abzielt.
Mit Bühnenbildner Kevin White transformiert er die Lagunenstadt in einen expressionistischen, schattenbevölkerten Alptraum, in dem allerlei Folterapparaturen und Szenen der Unterdrückung und Einkerkerung alles Schöne verdrängen. Fraglos bietet die Handlung viele Steilvorlagen für die finstere Stimmung, von der diese Produktion durchtränkt ist. Die Musik hingegen gibt das nicht immer her: So weist die Partitur Momente musikantischer Ausgelassenheit auf, und auch wenn Verdi ein starkes tragisches Idiom entwickelt, dringt er noch nicht in dem Maß in die Seelentiefen seiner Figuren vor wie in seinen späteren Opern. Folglich braucht es ...
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Opernwelt November 2012
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Simon Williams
Im Wald, da sind nicht nur, halli, hallo, die Räuber. Sondern auch die Phantome der deutschen romantischen Fantasie, zwielichtige Wesen wie Undine, Fafner, die Knusperhexe, Samiel. Der Wald ist ja, wenn man Elias Canetti glauben will, gerade für Germanen ein magischer Ort: «Das Rigide und Parallele der aufrecht stehenden Bäume, ihre Dichte und ihre Zahl erfüllt das...
Musiktheater und Politik – ein großes Thema auf weitem Handlungsfeld, von Monteverdi und Händel bis Nono und Rihm. Das politische und soziale Engagement des deutschen Komponisten Hans Werner Henze entlud sich in «Handlungen für Musik», wie er sein Antikriegsdrama «We come to the River» auf ein Libretto des englischen Dramatikers Edward Bond nannte. Uraufgeführt...
Seine Stimme war so schön – er war einer der besten Heldentenöre, die ich je gehört hatte.» So schreibt im Rückblick kein Geringerer als Georg Solti in seinen Erinnerungen über Ernst Kozub, den «herrlichen Wagner-Tenor aus Ostdeutschland», nicht wissend, dass Kozub aus Duisburg stammte (wie Rudolf Schock), im Zweiten Weltkrieg als Verwundeter nach Thüringen...
