Keine Hoffnung, nirgends
Hinterm Eisernen Vorhang die Arbeitsbühne, grau in grau, Dekor gleich null. Einige spielen Fußball. Ein Autist setzt blickleer zögernd Schritt vor Schritt. Plötzlich rennt er los, immer im Kreis, scheint die Wellblechwand hoch zu wollen, springt gegen sie, bleibt liegen. Ein anderer wäscht sich im Wasser der großen Pfütze in der Mitte, immer wieder. Ge- und Beschädigte, mit der Zeit verrückt geworden.
Der Sträflingspulk sammelt sich allmählich unter dem bühnenbreiten Doppeldecker, der sich am Ende – Ersatz für den verletzten und aufgepäppelten Adler des Librettos – in die Lüfte erhebt, dieweil der politische Gefangene nicht entlassen, sondern kaltblütig abgeknallt wird. Auch dieses Minimal-Happy-End kann es beim Regisseur Calixto Bieito nicht geben. Leos Janáceks «Aus einem Totenhaus» wird in Basel der letzte Hoffnungsschimmer genommen – in einer insgesamt starken Aufführung, die, wie nicht anders zu erwarten, nichts und niemanden schont.
Die Chorklischees des Kollektivauftritts, der etwas planlose Aktionismus mit kaum mehr verhohlenem Blick zum Dirigentenpult sind bald passé. Der Ernst der Situation beginnt die Optik zu bestimmen: die Beklemmung, der Schock, die Erschütterung ...
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Pling! Klack! Schon während der ersten Dreiklangsschleifen der kleinen Horrorkammer-Oper weint der Schnürboden des winzigen Potsdamer Schlosstheaters versteinerte Tränen. Die Bühne ist leer und schwarz, gerade der rechte Resonanzkasten für Philip Glass’ ohrenfälligen Spuk nach einer Story des Gruselklassikers Edgar Allan Poe. Bleich geschminkte Gesichter schweben...
Wahrlich ein Superlativ. So spät haben die ungekürzt an einem Abend gegebenen «Trojaner» von Hector Berlioz sicher noch nicht angefangen. Es beginnt – wie in Spanien üblich – eisern um acht Uhr abends, und so gegen ein Uhr nachts kann dann endlich die Karthagerkönigin Dido in einem seltsamen Geisha-Look ihren hier aus Laptops errichteten Scheiterhaufen besteigen,...
Die Erkenntnis schlängelt sich durch die gesamte Weber-Literatur: dass die Paare Rezia/Hüon und Fatima/ Scherasmin wie Marionetten an den Fäden der zerstrittenen Elfenkönige Titania und Oberon bis in den Orient, bis nach Bagdad hinüber zappeln. Nur folgerichtig deshalb, dass der spätere Büchner-Preisträger Martin Mosebach in seiner zweiaktigen Neufassung des...
