Keine Angst vor Richard
Die Wiedergeburt der Tragödie aus dem Geist des Rock ’n’ Roll? Vier Abende, sechs Stunden, 21 Figuren, Soundrequisiten vom Kieselstein bis zum Theremin – in seiner rotzig aufgerauten «Ring»-Hörspiel-Performance kümmert sich Stefan Kaminski um fast alles selbst. Nur die Glasharfe, Tuba, Bassgeige und Keyboards bedienen vier assistierende Musikant/inn/en. Im Dezember 2007 stieg der Schauspieler mit «Rheingold» zum ersten Mal an einer Art Werkbank in die Wagner-Bütt, gut zwei Jahre später knisterte der Weltenbrand in Gestalt eines über den Kopf gezogenen Stücks Goldfolie.
Doch mit dem Finale seiner Solo-Nibelungen-Saga ging es für Kaminski erst richtig los: Inzwischen reist der ehemalige Moderator einer Metal-Radio-Show, dessen Darstellerkarriere am Deutschen Theater Berlin begann und dessen Allzwecksynchronstimme aus etlichen (Kinder-) Film-, TV- und Hörbuchproduktionen schallt, durchs ganze Land, um eine eher opernferne jugendliche Klientel mit dem Opus magnum des Bayreuther Hexenmeisters zu konfrontieren. Für Stammgäste auf dem Grünen Hügel ist diese Parforcetour durch Wagners Göttermenschenmythenreich wohl eher nichts, für popsozialisierte Novizen längst Kult.
Das liegt vor allem ...
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Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Albrecht Thiemann
Als 1983, beim letzten großen Wagner-Jubiläum, vom Team der Gesamtausgabe eine Tagung veranstaltet wurde, hieß der Bericht «Wagnerliteratur – Wagnerforschung» (erschienen bei Schott 1985). Die Trennung war, wie Carl Dahlhaus in der Einleitung schrieb, eine Art «Notwehr»: Nur ein geringer Teil dessen, was über Wagner publiziert wird, hat mit Forschung im seriösen...
Der Grundidee begegnete man schon in Achim Freyers Stuttgarter «Freischütz»-Konzept von 1980. Dort berief sich der Regisseur auf Folklore und Kasperletheater, stattete das Werk entsprechend aus und ließ die Personen – wie Sebastian Baumgarten jetzt in Bremen – mit hölzernen Bewegungen wie Puppen agieren. Wobei Freyer allerdings niemals – so schrieb Imre Fabian...
Unbemerkt, wie schon in den ersten beiden Akten, hat Christian Thielemann sich zum Pult geschlichen und will eben den ersten Violinen den Einsatz geben zum auftaktigen Quintensprung b–f’ des dritten Aufzugs. Doch kaum wird man seines Scheitels ansichtig, brechen die Bravos los. Willkommen in Salzburg; ein neues Jahr, ein neues Glück. Während die Berliner...
