Kampf um den Hügel
Das musste wohl so kommen. Nach dem erzwungenen Abbruch seiner Arbeit am Bayreuther «Parsifal» revanchierte sich Jonathan Meese auf seine Art: In der Modern Art Gallery in London zeigt er Katharina Wagner als blonde Bratwurst. «Die Tage der angeblichen Wagnerführung sind gezählt», wetterte er zuletzt von München aus in Richtung Bayreuth, «man muss halt wissen, was man tut.»
Für die Bayreuther Festspiele hätte der Fall Meese kaum ungünstiger verlaufen können.
Mitte November hatten Katharina Wagner und Geschäftsführer Heinz-Dieter Sense das Engagement ihres «Parsifal»-Regisseurs für 2016 kurzfristig beendet. Zur Begründung hieß es, seine Entwürfe seien nicht finanzierbar. Offizielle Zahlen gibt es nicht; aus dem Festspielhaus verlautet, Bühnenbild und Kostüme würden voraussichtlich 100 000 Euro teurer als vertraglich vereinbart. Meese bot an, die Kosten selbst zu tragen; das lehnte die Festspielleitung ab: Künstler könnten sich in Bayreuth nicht auf diese Weise einkaufen.
Engagiert hatten ihn Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier im Sommer 2012. Kurz zuvor hatten sie einen der derzeit besten «Holländer»-Interpreten, Evgeny Nikitin, von seinem Engagement entbunden, am Tag der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Florian Zinnecker
Hager, bleich, hoch aufgeschossen, mit langen Armen und langem, wirkungssicher hin und her wippendem Haar, von den Stiefeletten bis zum berüschten Hemd ganz in Schwarz, energiestrotzend und in jedem Moment entschlossen: So wie Teodor Currentzis nach seinem «Don Giovanni» im Schlussapplaus steht, könnte er selbst der Don sein oder zumindest aus einem alten...
«Britten is ja schon ’n echt harter Stoff, wa?», kommentiert der Taxifahrer, als er vom Berliner Schiller Theater auf die Bismarckstraße biegt. «Na ja», hebe ich an, «eigentlich nicht. Im Vergleich zu dem, was andere musikalisch in den Fünfzigern ...»
Aber er hat nicht ganz unrecht. Dem Freund aus England ist nach der Vorstellung beklommen zumute, weil das, was in...
Manche Bühnenwerke treffen den Geist unserer Zeit, ohne sich mit dem Zeitgeist gemein zu machen. So betrachtet, erscheint Modest Mussorgskys Geschichtspanorama «Chowanschtschina» als die Oper der Stunde. Schon vor über hundert Jahren nämlich zeigte dieses gewaltige Fragment politische Entwicklungen auf, die sich im Russland von heute nahtlos fortsetzen und die Welt...
