Je grausamer, desto schöner
Eine Story wie aus einem Boulevard-Blatt: Ein Haus steht zum Verkauf. Nadja, deren Eltern kürzlich verstorben sind, führt die Interessenten in Begleitung des Maklers Axel Freund durchs Haus. Als Nachbarn enthüllen, dass hier Blut geflossen ist – Nadjas Mutter erstach ihren Mann, bevor sie sich selbst das Leben nahm, denn Nadja «stand wohl dem Vater zu nah» – verlassen die potenziellen Käufer fluchtartig das kontaminierte Haus. Im Beischlaf mit dem Makler entfährt Nadja der Schrei nach dem Vater.
Schließlich bleibt sie allein zurück, nachdem der Makler auf ihren Wunsch die Türe von außen zusperrt.
Dass das Heimliche das Unheimliche gebiert, hat schon Freud enthüllt. Hinter der von dem Schriftsteller und Filmemacher Händl Klaus erfundenen Geschichte vom scheinbar heilen Elternhaus – Natascha Kampusch und Josef Fritzl lassen grüßen! – lauern Inzest, Missbrauch und Mord. Immer wieder erklingen die Stimmen der toten Eltern und verfolgen Nadja, bis sie schließlich zusammenbricht. Der Wiederkehr des Vergangenen kann sie nicht entfliehen. Der Stoff ist wie geschaffen für den österreichischen Komponisten Georg Friedrich Haas, dessen Werk seit seiner Kurzoper «Adolf Wölfli» (1981) und der ...
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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Uwe Schweikert
Frau Breth, «Wozzeck» war Ihre erste Opernregie in Berlin. Man kann sich nicht vorstellen, dass Sie deswegen nervös werden. Oder doch?
Stimmt, es ist mir relativ wurscht, wo ich inszeniere. Die Bedingungen müssen gut sein. Mich interessieren das Werk, der Dirigent und die Sänger. Das kann sonstwo sein.
«Wozzeck» ist ein einsames Meisterwerk. Vereinfacht das Ihre...
Goethe war bekanntlich der Meinung, die Postkutsche fahre eigentlich zu schnell, weil man in ihr die wechselnden Düfte der Baumblüten gar nicht mehr aufnehmen könne. Als ein paar Jahrzehnte später die ersten Züge unterwegs waren, trauten viele Fahrgäste kaum ihren Augen und waren schockiert über die Geschwindigkeit. Heute geht das Schnellerwerden so schnell voran,...
Glaubt man dem Programmheft und den Festreden zur Eröffnung der Maifestspiele in Wiesbaden, so sind Probleme um Aufführungsrechte verantwortlich dafür, dass Rodion Schtschedrins «Lolita» nach der Uraufführung 1994 in Stockholm (siehe OW 2/1995) wieder in der Schublade verschwand. Doch auch das Revival in Wiesbaden, gleichzeitig deutsche und deutschsprachige...
