Dauer-Lamento
Glaubt man dem Programmheft und den Festreden zur Eröffnung der Maifestspiele in Wiesbaden, so sind Probleme um Aufführungsrechte verantwortlich dafür, dass Rodion Schtschedrins «Lolita» nach der Uraufführung 1994 in Stockholm (siehe OW 2/1995) wieder in der Schublade verschwand. Doch auch das Revival in Wiesbaden, gleichzeitig deutsche und deutschsprachige Erstaufführung des Werks nach dem Skandalroman Vladimir Nabokovs aus dem Jahr 1955 wird wohl kaum einen Run auf das Stück auslösen.
Dabei böte das Buch reichlich Stoff für spannendes Musiktheater, auch vor dem Hintergrund der beiden großen Verfilmungen der in Abgründe führenden Beziehungsgeschichte durch Stanley Kubrick (1962) und Adrian Lyne (1997): Der Literaturwissenschaftler Humbert Humbert verliebt sich in die 12-jährige Tochter seiner Vermieterin. Als diese sein Interesse an Lolita erkennt, rennt sie auf die Straße, wird von einem Auto totgefahren. Humbert startet mit Lolita eine ziellose Irrfahrt, vergewaltigt das Mädchen, beginnt eine Beziehung mit ihr, tötet einen Nebenbuhler, wird schließlich angeklagt und verurteilt. Er stirbt im Gefängnis, Lolita bei der Geburt ihres Kindes.
Schtschedrins Oper hat bei der Schilderung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Claus Ambrosius
«12 musiktheatralische tableaux» kündigt der Untertitel von Christian Josts Musiktheaterwerk «Hamlet» an – solcherart andeutend, dass er die Handlung zuzuspitzen sucht: auf charakteristische Momente, in denen die Essenz des Ganzen fassbar wäre. Das freilich würde voraussetzen, dass man sich für eine vieler denkbarer Lesarten entschiede: Soll es um die politische,...
Herr Valentine, Sie haben mit Ihrer Dauerpräsenz im Musiktheater quasi ein neues Fach kreiert: den Opernschauspieler.
Ich halte nichts von solchen Etiketten. Mir geht es darum, am Rand zu bleiben. Für Schauspieler ist es immer gut, Distanz zu wahren.
Empfinden Sie es als Vorteil, nicht im Opernsinne singen zu können?
Für mich ist Sprache Musik. Das kann man gar nicht...
Zwei Puccini-Inszenierungen aus New York und Amsterdam, die jetzt auf DVD vorliegen, bringen den Komponisten, der oft genug ans Rampen- oder Konzeptionstheater verraten wird, als einen der zentralen Musikdramatiker des frühen 20. Jahrhunderts zur Kenntlichkeit. Zwei Regisseure, die genau lesen können, haben ihre Hausaufgaben gründlich gemacht. Ungewöhnlich ist die...
