Italienische Reise
Seit ihrer Geburt im frühen 17. Jahrhundert hat die Kunstform Oper die Geister Italiens gespalten. Jahrhundertelang hatte man sich für sie buchstäblich entschuldigen müssen – gegenüber dem intellektuellen Bildungsbürgertum, das es vorzog, sich für die Wiederbelebung des «echten» griechischen Dramas einzusetzen, ebenso wie gegenüber Vertretern von Kirche und Staat, mochten diese auch noch so unbedeutende Kleinfürsten oder ausländische Besatzer sein.
Sämtliche denkbaren Verflechtungen von Mäzenatentum und Zensur, Lobpreis und Kritik seitens der Mächtigen haben hier – von Monteverdi bis Verdi und über diesen hinaus – ihren Ursprung. Heute hingegen misst sich der Marktwert einer Oper an ihrer (mal deutlicher, mal weniger deutlich erkennbaren) Relevanz in Bezug auf zeitgenössische Themen. Dabei wird Oper umkämpft von Bewahrern und Erneuerern, von Advokaten der Werktreue und Verfechtern des Regietheaters, von «alten Hasen» und jungen Bilderstürmern.
Die gute Nachricht: Die jüngere Generation geht heute wieder hin, auch in Italien. Vorbei die Tage, in denen Mittelklassen-Schnösel und adrette Studenten scharenweise zu Jazz- und Rock-, Symphonie- und Kammerkonzerten pilgerten, oder ...
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Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Carlo Vitali
Benjamin Brittens «War Requiem» erlebte seine Uraufführung anlässlich der Feierlichkeiten zur Wiedereröffnung der im Zweiten Weltkrieg durch deutsche Luftangriffe (Deckname: «Unternehmen Mondscheinsonate»!) zerstörten Coventry-Cathedral. Es ist das Bekenntniswerk eines erklärten Pazifisten. Im Gelsenkirchener Musiktheater im Revier wurde nun erstmals der Versuch...
Ihre besten Momente hat Théodore Gouvys 1862-1864 komponierte, aber erst jetzt am Staatstheater Saarbrücken uraufgeführte Corneille-Oper «Der Cid» in den instrumentalen und den Chor-Passagen. Diese Musik schwitzt (trotz ihres martialischen Themas) nicht, möchte man mit Nietzsche sagen. Sie ist luftig instrumentiert wie Mendelssohns «Sommernachtstraum». Sie liebt...
Als die English National Opera bekannt gab, Terry Gilliam würde mit «The Damnation of Faust» als Opernregisseur debütieren, mutmaßten manche einen Teufelspakt. War Gilliam doch vor allem durch seine frech-surrealen Karikaturen für «Monty Python’s Flying Circus» bekannt geworden, sowie als Regisseur (zusammen mit Terry Jones) des nicht minder irren Streifens «Monty...
