Appellcharakter

Gelsenkirchen: Britten: War Requiem

Opernwelt - Logo

Benjamin Brittens «War Requiem» erlebte seine Uraufführung anlässlich der Feierlichkeiten zur Wiedereröffnung der im Zweiten Weltkrieg durch deutsche Luftangriffe (Deckname: «Unternehmen Mondscheinsonate»!) zerstörten Coventry-Cathedral. Es ist das Bekenntniswerk eines erklärten Pazifisten. Im Gelsenkirchener Musiktheater im Revier wurde nun erstmals der Versuch unternommen, das «War Requiem» auf die Bühne zu bringen.

Ein Wagnis, denn das Stück erzählt keine Geschichte, wie beispielsweise Händels Oratorien, sondern ist kontemplativ, ohne jede Handlung und äußere Dramatik angelegt. Sein Text kombiniert die lateinische Totenmesse mit Antikriegs-Gedichten von Wilfred Owen.

Mit der Bühnenadaption rundet sich in Gelsenkirchen ein Britten-Zyklus, der unter dem Motto «Trilogie der Außenseiter» stand und der Regisseurin Elisabeth Stöppler anvertraut war. Zuhilfe kam ihr, dass Britten sein Oratorium auf einem dialogischen Prinzip aufgebaut hat: Der Chor, der die lateinischen Requiem-Texte singt, wird von einem groß besetzten Orchester begleitet. Den von Tenor und Bariton auf Englisch gesungenen Gedichtvertonungen, die den liturgischen Ablauf immer wieder unterbrechen, ist dagegen ein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2011
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Regine Müller

Weitere Beiträge
«Oper funktioniert nicht wie DSDS»

Vielleicht Wotans Abschied? Doch das, so dachte er sich im jugendlichen Vorwitz nach einem Blick in den Klavierauszug, kann niemand spielen. Dann lieber die Standards. «O Isis und Osiris» und ein Schubert-Lied, dies dummerweise im gedeckten, profunden Sound des Vorbildes. «Herr Groissböck», tönte es da aus dem Dunkel, «welchen Lieblingssänger haben Sie denn?» «Kurt...

Im Focus der Ausgabe Juli 2011

Das klingt nach Kraftakt – und ein bisschen so, als wolle der bald scheidende Intendant es noch mal so richtig wissen: erst Arnold Schönbergs «vollendetes» Fragment «Moses und Aron», dann als unmittelbar darauf folgende Premiere Janáceks «Aus einem Totenhaus». Alexander Pereira hat Zürich viel abverlangt. Das Ergebnis gibt ihm Recht, auch wenn die szenische...

Facebook in Güllen

Nach langem Bitten und einer eigens für ihn angesetzten Vorstellung der Wiener Staatsoper sagte der Meister endlich zu. Friedrich Dürrenmatt hatte sich zunächst dagegen gewehrt, dass sein «Besuch der alten Dame» auf die Opernbühne kommt. Erstens konnte er Oper nicht leiden. Und zweitens: Wer gibt schon sein Erfolgsstück frei? Doch Gottfried von Einem hatte...