Italienische Reise
Ein unbekannter Ritter hat beim Turnier von Ashby den als unbesiegbar geltenden Briano geschlagen. Nun erwartet er den Lorbeerkranz, überreicht von der schönen Rovena. Briano unterlag, weil er einen Augenblick lang abgelenkt war, als er die schöne Jüdin Rebecca im Publikum erblickte. In sie ist er verliebt, seit er sie in Palästina sah. Prompt beginnen die Probleme. Denn Rebecca liebt den geheimnisvollen Sieger. Der aber liebt Rovena, die auch ihn liebt. Briano entschließt sich, Rebecca zu entführen. Der unbekannte Ritter befreit sie umgehend.
Liebhaber alter Mantel- und Degen-Filme wissen es längst: Der unbekannte Ritter ist Vilfredo d’Ivanhoe. Diesmal taucht er in Gestalt eines lyrischen Tenors in einer italienischen Oper auf. Otto Nicolai hat während seines Rom-Aufenthalts in den 1830er Jahren die erfolgreichsten Opern der Zeit gründlich studiert und beherrscht das (in Deutschland verpönte) Vokabular virtuos. Die Versatzstücke schiebt er originell hin und her, jagt seine Protagonisten durch Arien und Ensembles, die mal à la Bellini, mal à la Donizetti, mal aber schon nach Verdi klingen. Hauptvorbild ist Saverio Mercadante, der erfolgreichste italienische Opernkomponist um ...
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Zu den stärksten Operneindrücken meiner Schulzeit gehört die legendäre Münchner «Traviata» von 1965, in der an der Seite von Fritz Wunderlich und Hermann Prey eine junge Kanadierin griechischer Herkunft ihren Einstand gab, die in Deutschland bis dahin noch niemand kannte: Teresa Stratas. Sie war das Traumbild einer Kameliendame, ganz femme fragile, tief...
Es muss nicht immer der Kanon sein. Auch in den Moskauer Opernhäusern bemüht man sich um die Werke, die man im Mainstream vergeblich sucht. Gleich drei Produktionen legten davon Zeugnis ab.
Am Musiktheater Stanislawski und Nemirowitsch-Dantschenko (MTSNM) stand «Die Mainacht» von Rimsky-Korsakow auf dem Spielplan. Nicht gerade ein Meisterwerk, aber ein...
Normalerweise ist es umgekehrt. Sobald Komponisten sich ein Stück Literatur vornehmen, wird es durch die Musik verallgemeinert, im Tonfall gemildert, oft humanisiert. Was vom Schriftsteller als kühle Diagnose notiert ist, erscheint auf der Musikbühne als Anliegen von primär emotionaler Sprengkraft. So geschehen bei Bergs «Wozzeck», Strauss’ «Salome», Janáceks «Die...
