Im Englischen Garten
Etwa auf halber Strecke zwischen Oxford und dem Londoner Ring liegt Wormsley, das malerische Anwesen der Getty-Familie in den Chiltern Hills. Jeden Sommer zeigt hier die Garsington Opera in bester englischer Picknickatmosphäre drei Opern, mit Blick über Wiesen, Wälder, Wildpark und Wasser. Dieses Jahr auf der Bühne in Robert Snells preisgekröntem Glaspavillon: Mozarts «Entführung aus dem Serail», Rossinis «Maometto secondo» und Humperdincks «Hänsel und Gretel».
Am wenigsten gelungen ist die «Entführung».
Regisseur Daniel Slater hat das Original-Libretto kurzerhand über Bord geworfen und durch eine eigene, flapsig-frivole Textfassung ersetzt. Die macht aus Bassa Selim einen modernen russischen Oligarchen, der so Football-versessen ist, dass ihn Sportjournalist Pedro mühelos dazu überreden kann, Belmonte, einen Ami mit Basecap, als Manager zu verpflichten. Der ist in Europa, um Konstanze zu suchen, die im Hause Selim weilt – freilich weniger als Gefangene denn als verwöhnter Gast mit Hang zum Luxus-Shopping. Osmin wird bei Slater zu des Bassas Bodyguard, Blonde zu Konstanzes Personal Assistant. Ferner hat Slater sämtliche Islam-Bezüge getilgt, was zur Folge hat, dass das Drama in ...
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Opernwelt August 2013
Rubrik: Magazin, Seite 76
von George Hall
Kurz vor dem Ende der letzten Spielzeit hatte es nach chaotischem Vorlauf doch noch geklappt: Der Sieben-Stunden-Kurz-«Ring» des Teatro Colón ging mit großem Tamtam über die Bühne (siehe auch Seite 32). Doch waren es in den Medien weniger beachtete Produktionen, die in Buenos Aires für frische Opernerlebnisse sorgten: Enescus «Oedipe» und Szymanowskis «Hagith»...
Erst neulich glückte der Kölner Oper mit Puccinis «Il trittico» ein riskanter Besetzungs-Coup: Die drei Einakter wurden von drei Regisseurinnen inszeniert, was gründlich hätte scheitern können. Doch verklammert durch Dieter Richters geniales Einheitsbühnenbild ging die Rechnung auf, und drei ausgeprägte Regiehandschriften rundeten sich zu einem prallen...
Die Oper ist und bleibt der Wolpertinger unter den Künsten, bei dem sich Text, Musik und Szene gegenseitig unterstützen, kommentieren oder im Wege stehen. Diese Offenheit des Genres weckt zuweilen die Begehrlichkeit, alles hineinzuwerfen, auf dass am Ende schon irgendetwas Neues oder Aktuelles herausschaue. Das jüngste Projekt der Deutsche Bank Stiftung und ihres...
