«Ich brauche das Publikum»
Sie kam, sang, siegte. Und vor allem: Es wirkte so, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Stimmt ja auch in gewisser Hinsicht: Ingeborg Schöpf singt seit 14 Jahren Operette in Dresden. Nur dass diesmal 1,8 Millionen Fernsehzuschauer dabei waren. Und dass das Ganze nicht an ihrem Stammhaus, der Staatsoperette, stattfand, sondern in der Semperoper. Der Anruf kam einen Tag vorher. Sie hielt ihn zunächst für einen Witz. Eine Frauenstimme meldete sich als Assistentin Christian Thielemanns und fragte, wie viele Stücke des Silvesterprogramms am 30. Dezember sie draufhabe.
Diana Damrau, die vorgesehene Sopranistin, fühle sich nicht gut. Ganz unverbindlich zunächst, die Frage. Fünf Stücke hatte Ingeborg Schöpf schon gesungen, vier nicht. Die lernte sie sofort, holte drei Kleider aus ihrer Garderobe und dachte noch lange nicht an eine echte Chance. Am nächsten Tag übernahm sie für Damrau mittags die öffentliche Generalprobe. Erst danach kam die endgültige Absage. Und die ultimative Chance. «Keine Sorge, ich bin bei dir», sagte Thielemann. Das war er dann auch. Stieg vom Pult, kam ganz nah, folgte ihrem Atem, gab ihn an das Orchester weiter. Zehn Jahre lang war Ingeborg Schöpf als ...
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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Stephan Mösch
Wer historisch informierte Aufführungspraxis sagt, meint in der Regel nicht die Operette. Dass indes Werke des Unterhaltungstheaters des späten 19. und 20. Jahrhunderts durch Bearbeitungen nicht selten ihrem Originalklang schnell entwöhnt wurden, ist zwar keine neue Erkenntnis, interessiert aber in der Regel wenig. Das gilt nicht für Florian Ziemen. Der...
Er sei in der «vokalen Wellness-Diät des Liedgesangs» aufgewachsen und wolle diesem Genre, so gut es ginge, auch treu bleiben, um die Stimme frisch zu erhalten. Dies meinte James Rutherford, Bayreuths Hans Sachs bis 2011, vor zwei Jahren im Interview mit dem Schreiber dieser Zeilen. Von 2000 bis 2002 war Rutherford «New Generation Artist» der BBC und als solcher...
Hinter die Dinge schauen, das wollte schon der Mittzwanziger. Damals, Anfang der 60er, ahnten wenige, dass Stefanos Lazaridis (1942–2010) einer der wichtigsten Bühnenbildner Großbritanniens werden würde. Als sich die English National Opera in den 80ern zu einem power house für modernes Musiktheater entwickelte, prägte er mit antiillusionistischen Raumkonzepten...
